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Runas Weg der Hexerei RSS feed
Forum Index » Die Clans des Nordens
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Runa

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Joined: Oct 30, 2017
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Der Schnee glitzerte im Licht des Vollmondes. Weit genug entfernt vom Tal der Hexen, von Dörfern und Städten, hatte Runa einen Platz gesucht, an dem sie niemand störte. Keine Stimmen. Keine Fragen. Niemand, der etwas von ihr wollte. Nur Schnee. Sie hatte schon einige Kanalisierungskreise gesehen. Magier, die damit ihre Kraft bündelten, etwas riefen oder eine Verbindung zu etwas aufbauten, das besser nicht einfach ungeschützt an sie herankommen sollte. Runa wusste nicht wirklich, wie sie funktionierten. Aber sie wusste, dass Salz schützen konnte. Und schmelzen. Das jedenfalls konnte sie überprüfen.

Mit entschlossenen Bewegungen ließ sie das Salz durch ihre Finger rieseln und zog einen Kreis in den Schnee. Die Körner fraßen sich in die weiße Oberfläche, ließen die Linien langsam schmelzen. In den Kreis zeichnete sie ein Pentagramm. Vier Spitzen wiesen in die vier Himmelsrichtungen. Die fünfte zeigte auf Klara. Zumindest hoffte sie, dass es so richtig sein könnte. Sie hatte es so ähnlich gesehen. Ob die vier Spitzen tatsächlich in diese Richtungen zeigen mussten, wusste sie nicht. Ob dort bestimmte Runen hingehörten, wusste sie noch weniger.

Also setzte sie an jede der vier Ecken DAGAZ. Arelia.
Ob man dort überhaupt die Rune der Göttin setzen sollte, wusste Runa ebenfalls nicht. Aber sie wollte Arelia rufen. Und wenn sie schon nicht wusste, was sie tat, dann konnte sie wenigstens versuchen, es richtig zu meinen.

Klara legte sie außerhalb des Kreises in den Schnee. Eben genau am die letzte Spitze des Pentagramms. Auch das war vielleicht falsch.Vielleicht musste die Kugel mit hinein. Vielleicht musste sie genau in die Mitte. Vielleicht war es gefährlich, sie außerhalb zu lassen. Vielleicht ist es eine Evokation und was auch immer sie in Klara ruft, ist dann frei und sie selbst sitzt im Kreis fest.
Runa wusste es nicht. Und genau deshalb setzte sie sich selbst in den Kreis. Wenn etwas kam, dann sollte es gefälligst zuerst durch das Salz.
Sie zog die Beine an, setzte sich schließlich im Schneidersitz hin und schloss die Augen. Thura kringelte sich still auf ihren Schoß. Die Wärme der kleinen Katze war erst kaum spürbar, doch bald war es genau diese Wärme, die sie im hier und jetzt hielt. Die ihr sagte, dass kein Versuch schlechter war, als die Alternative.

Der Mantel hielt die Wärme zurück. Der Eisbärfellumhang noch besser. Trotzdem kroch die Kälte langsam durch alles hindurch. In ihre Finger. Ihre Beine. Bis tief in die Knochen. Runa bewegte sich nicht. Sie wartete. Eine lange Zeit. Keine Stimmen. Keine Gedanken, die sich zu einer Antwort formen wollten. Nur der Wind, der über den Schnee strich.

Dann öffnete sie die Augen.

Der Dolch kam aus ihrer Tasche.

Ein kurzer Schnitt in die Handfläche.

Sie sah das Blut nicht lange an. Sie legte die Hand auf Klara und ließ die roten Tropfen über das Glas laufen. Die Kugel blieb kalt. Runa sah hinein. Nahm die Hand von ihr.

Dann sprach sie. Arelia. Ihre Stimme war ruhig. Beinahe gefühl los. Du bist die, die Antworten geben kann. Du bist diejenige, die im Zentrum von all dem steht. ihre Augen blieben auf Klara. Genau wie jener, der heute Nygamnon heißt, Schuld an dieser Situation trägt, trägst auch du sie. Kein Vorwurf lag darin. Vielleicht war selbst dafür keine Kraft mehr übrig. Ich suche keine Lösung von dir. Davon habe ich schon zu viele. Sie sah kurz über den Kreis. Das Salz hat sich bereits so tief in den Schnee gebort, dass man die dunkle Erde, die sonst unterm Dauerfrost verborgen liegt, sieht. Gib mir einen Grund. Ihre Stimme wurde etwas härter. Adelis bewegt sich nicht. Die Eisläufer tun nichts. Niemand nimmt die Bedrohung wirklich ernst. Ihr Blick richtete sich fester an die Kugel, die Welt um sie herum schien nur noch schwarz und fern. Warum sollte ich es also? Der Wind fuhr durch ihre Haare. Ihre Lippen waren bereits blau. Wenn Adelis in hunderten von Jahren zu dir geht und alles vernichtet, hat das nichts mit mir zu tun. Nicht einmal die Menschen, die ich heute kenne, würden darunter leiden. Ihr Blick blieb starr. Also gib mir einen Grund.
Lange sagte sie nichts.
Gib mir einen Grund, warum ich den letzten Rest, der von mir noch existiert, für dieses Unterfangen opfern soll.

Dann schwieg sie. Keine weitere Frage. Kein Flehen. Runa blieb einfach sitzen, die blutige Hand auf Thura, mitten in ihrem hastig zusammengesetzten Kanalisierungskreis.
Sie wusste nicht, ob die vier Runen richtig waren.
Sie wusste nicht, ob Klara dort draußen richtig lag.
Sie wusste nicht einmal, ob sie überhaupt geschützt war.
Aber zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie aufgehört, so zu tun, als wüsste sie, was sie tat.
Jetzt konnte Arelia entscheiden, ob das genügte.

Alchemistin, Junghexe, Lehrling der Akademie der Magier
Sir Said

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Doch Arelia entschied nichts. So wie sie an diesem kalten Ort herumsaß und frierte, so war da bereits ein anderer Mensch in der Nähe.
Wahrscheinlich war Runa auch nie im Spurenlesen oder in ihrer Wahrnehmung in der Natur genug geschult worden. Andererseits konnte dieser eine Mensch sich auch gut im Schatten verbergen. Mondmagier, das war sein Titel. Als das war er bekannt.

Der Schnee knirschte nun. Seine Gestalt wurde zwischen den dunklen Konturen der Landschaft sichtbar. Firun hatte diesen Ort nicht wegen Runa aufgesucht. Eigentlich hatte er überhaupt nicht vorgehabt, jemandem zu begegnen.

Der Himmel war klar genug gewesen, um den Weg hinaus lohnend erscheinen zu lassen. Fern von Feuerstellen, Dächern und den Lichtern der Siedlungen ließ sich der Mond besser beobachten. Nicht schöner - Schönheit war eine Frage für Dichter -, aber unverfälschter. Und manches zeigte sich nur dort, wo kein Rauch zwischen Auge und Himmel hing.

Vielleicht war es deshalb Runas Stimme gewesen, die ihn zuerst innehalten ließ. Nicht jedes Wort hatte ihn erreicht. Aber genug.

Firun blieb nun ein gutes Stück entfernt stehen. Sein Blick wanderte zunächst nicht zu Runa, sondern über das, was sie umgab. Das Salz. Die in den Schnee gezogenen Linien. Das Pentagramm. Die Runen. Die Kugel außerhalb des Kreises. Dann das Blut. Er sagte eine Weile nichts. Erst als Runas letzte Worte längst verklungen waren und nur noch der Wind über die freie Fläche strich, setzte er sich wieder in Bewegung. Langsam. Ohne Hast. Ohne den Versuch, sich unbemerkt zu nähern. Schließlich blieb er einige Schritte vor dem Kreis stehen. Sein Blick ruhte auf einer der Runen.
„Viermal Dagaz.“ Keine Begrüßung. Noch nicht. Er ging ein paar Schritte seitlich, ohne die gezogene Linie zu überschreiten, und betrachtete die Anordnung aus einem anderen Winkel.
„Salz als Grenze. Ein Pentagramm zur Ausrichtung. Vier Spitzen in die Himmelsrichtungen.“ Sein Blick wanderte zur fünften. Zu Kristallkugel, die den Namen Klara von Runa erhalten hatte. Dann hob er ihn zu Runa.
„Und die fünfte zeigt auf eine Kristallkugel, die außerhalb Eures Schutzes liegt.“ Eine kurze Pause.
„Interessant.“ Ob das Anerkennung oder Kritik war, ließ sich seiner Stimme kaum entnehmen. Firun zog die Handschuhe aus und strich etwas Schnee von einem nahen Stein, ehe er sich darauf setzte. Den Kreis betrat er noch immer nicht.
„Verzeiht. Firun.“ Er deutete mit zwei Fingern auf die Linien im Schnee.
„Ich würde Euch die Hand reichen, aber ich fürchte, ich müsste dazu erst entscheiden, ob Ihr mich damit in Euer Werk einladet.“ Sein Blick blieb einen Moment an Runas verletzter Hand hängen.
„Und ich weiß nicht, ob Ihr selbst wisst, wen Ihr gerade eingeladen habt.“Nun sah er wieder zu den Runen.
„Warum Dagaz?“Die Frage kam vollkommen ruhig. Nicht wie eine Prüfung.
„Warum viermal?“ Eine weitere.
„Warum Salz?“ Sein Blick fiel auf Klara.
„Warum liegt sie dort?“ Er wartete jeweils kaum auf eine Antwort, als würde bereits die Reihenfolge seiner Fragen etwas offenlegen. Dann deutete er schließlich auf Runa selbst.
„Und warum sitzt Ihr hier?“ Diesmal schwieg er länger. Sein Blick wanderte über ihr Gesicht, den schweren Mantel, das Fell, die Kälte, die sich trotz allem ihren Weg zu ihr gesucht hatte.
„Nein.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Das war schlecht gefragt.“ Seine Stimme wurde ein wenig leiser. „Warum glaubt Ihr, dort sitzen zu müssen?“ Firun sah für einige Herzschläge zum Vollmond hinauf.Als er wieder sprach, galt sein Blick nicht mehr dem Kreis.
„Ich habe einen Teil von dem gehört, was Ihr gesagt habt.“ Keine Entschuldigung folgte.
„Ihr wollt einen Grund.“ Seine Augen lagen wieder auf ihr.
„Einen Grund, Euch zu opfern.“ Eine kleine Falte erschien zwischen seinen Brauen.
„Aber danach habt Ihr nicht gefragt.“ Er ließ die Worte stehen.
„Ihr habt nicht gefragt, was getan werden muss. Ihr habt nicht gefragt, was Ihr tun könnt. Ihr habt nicht einmal gefragt, ob Euer Opfer notwendig ist.“ Nun deutete er mit einem knappen Nicken auf Klara.
„Ihr habt lediglich entschieden, dass am Ende von allem Euer Opfer stehen muss.“ Sein Blick wurde schärfer.
„Und nun verlangt Ihr einen Grund dafür.“ Der Wind hob einige lose Schneekristalle zwischen ihnen empor. Firun beobachtete sie einen Augenblick.
„Das ist eine bemerkenswert menschliche Art, mit Schicksal umzugehen.“ Seine Mundwinkel bewegten sich kaum merklich.
„Man nimmt alles, was einem widerfährt, legt es vor sich auf den Tisch und fragt: Warum verlangt die Welt das von mir?“ Er sah wieder zu ihr.
„Dabei hat die Welt vielleicht nie darum gebeten.“ Eine längere Pause entstand. Dann blickte er abermals auf die gezogenen Linien.
„Vielleicht habt Ihr recht. Vielleicht hängt etwas davon ab, was Ihr tut. Vielleicht sogar sehr viel.“ Ein Schulterzucken.
„Ich weiß es nicht.“ Es war auffallend nüchtern gesagt.
„Aber daraus folgt nicht, dass Ihr Euch daran zerbrechen müsst.“ Sein Blick glitt zu der kleinen Katze auf ihrem Schoß. Dann wieder zu Runa.
„Und wenn Ihr tatsächlich Antworten von einer Göttin erwartet, würde ich zumindest erwägen, ihr eine Frage zu stellen, deren Antwort Ihr nicht bereits vorher festgelegt habt.“ Er zog die Handschuhe wieder an. Er machte keinerlei Anstalten zu gehen. Nach einem Moment hob er noch einmal den Blick zum Mond.
„Merkwürdig.“ Mehr zu sich selbst als zu ihr.
„Ich wollte gestern schon hierher.“ Dann sah er wieder zu Runa.
„Es kam etwas dazwischen.“ Eine kleine Pause.
„Heute offenbar auch.“ Diesmal war das angedeutete Lächeln deutlicher.
„Also.“ Firun deutete auf den Kreis.
„Wollt Ihr mir erklären, was Ihr Euch dabei gedacht habt?“ Sein Blick wanderte über Salz, Runen, Blut und Kugel.
„Oder soll ich zuerst damit anfangen, Euch zu erklären, warum ich glaube, dass Ihr gerade mindestens drei vollkommen verschiedene Formen von Magie durcheinandergeworfen habt?“
Runa

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Runa ließ ihn ausreden. Nicht, weil seine Worte etwas in ihr bewegten. Sie hörte einfach still zu. Sie sah dabei nicht zu ihm, sondern auf die Salzlinie unmittelbar vor sich. Thura saß noch immer auf ihrem Schoß. Erst als Firun seine letzte Frage gestellt hatte, richtete sie den Blick auf Klara und antwortete.

Ich weiß nicht, ob ich das hier richtig gemacht habe. Ich habe drei Lehren. Ein wenig habe ich bei den Magiern auf der Insel gelernt. Genug, um zu wissen, dass Magie aus mehr besteht als aus einem Kreis und ein paar Worten. Alles hat dort seinen Platz. Dort habe ich viele Theorien gelernt. In dieser Art in Aktion gesehen habe ich sie aber nie bei Magiern. Ihr Blick fiel auf ihre blutige Hand, dann wieder zu Klara. Ein kurzer Moment Stille. Ich kann Magie trotzdem nicht wirken. Thura bewegte sich leicht auf ihrem Schoß. Runa strich der Katze einmal über das Fell, ohne den Blick von Klara zu nehmen.

Das ist der Unterschied zur Alchemie. Alchemie kann jeder lernen und nutzen. Wenn ich genau genug sage, welche Zutaten es braucht, in welcher Menge und in welcher Reihenfolge, kann jeder dasselbe Ergebnis erzielen, wie ein gelernter Alchemist. Bei Magie reicht Wissen nicht. Ihr Blick wanderte zu der Salzlinie neben ihr. Und ich soll sowas wie eine Hexe sein. Ein leises, trockenes Ausatmen. Hexen benutzen Runen. Also benutze ich Runen. Es wäre auch irgendwie verwunderlich, wenn ich nicht anfangen würde, Dinge einfach miteinander zu vermischen, um zu sehen, was daraus wird. Alchemisten machen sowas. Die Rune, die vor ihr in ihrem Blickfeld lag, wurde Anker ihres Blickes. Dagaz steht für Arelia. Ob sie an diese Stellen gehören, weiß ich nicht. Ich habe sie dort gesetzt, weil ich Arelia anrufen wollte. Einen Weg zu ihr, ihren Ohren und Dienern gesucht habe. Alvhit sagte, wenn ich Wissen suche, soll ich Arelia anrufen. Vielleicht gehören dort andere Runen hin. Vielleicht auch keine. Vielleicht ist das ganze Pentagramm ein Fehler. Salz schützt und es wird für solche Kreise benutzt, also habe ich es verwendet. Dann sah sie das erste Mal wirklich zu Firun. Ihr Blick ist glasig, ihre Lippen blass und blau. Nicht nur der Kälte wegen wirkt sie erschöpft. Vier Spitzen zeigen in die vier Himmelsrichtungen. Das habe ich so schon mal gesehen. Die fünfte zeigt auf das Ziel.“ Ihr Blick geht wieder auf Klara. „Und Klara liegt dort draußen, weil ich nicht mit ihr hier drinnen sein wollte. Eine kleine Pause. Ein Schulterzucken. Vielleicht funktioniert es nicht. Wahrscheinlich habe ich irgendeinen völligen Unsinn gebaut. Sie schien darüber tatsächlich nachzudenken. Aber ich wüsste nicht, warum ich es nicht dennoch versuchen sollte. Dinge miteinander zu verbinden liegt in meiner Natur. Ihre Stimme wurde etwas lebendiger, als sie mehr ins Alchemistische fiel. Nicht fröhlicher. Nur vertrauter.
Alte Magie ist verloren. Wirklich alte Magie. Was heute noch übrig ist, sind Bruchstücke. Verschiedene Wege, verschiedene Lehren, verschiedene Regeln. Niemand weiß doch wirklich noch, was davon ursprünglich zusammengehörte. Sie sah auf das Blut an ihrer Hand. Vielleicht ist diese Verbindung falsch. Vielleicht ist sie gefährlich. Vielleicht ist sie vollkommen wirkungslos. Dann hob sie den Blick wieder zu Klara. Aber vielleicht ist sie auch genau das, was funktioniert.

Sie schwieg einen Moment.

Ich weiß es nicht.

Ihre Lippen waren inzwischen deutlich blau. Thuras Wärme lag schwer auf ihrem Schoß, während die Kälte längst durch Mantel und Umhang bis in ihre Knochen gekrochen war. Runa nahm die Kälte wahr, aber sie schien nicht wichtig genug, um etwas dagegen zu unternehmen.
Und warum ich hier sitze… Prophezeiungen. Sie atmete langsam aus. Ich kenne die Wege schon. Oder viele? Sicher nicht alle, aber mehr als ich brauche. Klara ist nicht dafür bekannt, mir klare Bilder zu zeigen. Also sie zeigt mir manchmal Bilder, lässt mich Dinge fühlen und schmecken, aber auch das immer sehr vage. Und tja, jeder mir bekannte Weg zieht gewaltige Schatten hinter sich her. Seufzt einmal. Ich erwarte nicht, dass Arelia selbst mir antwortet. Ich erwarte auch nicht, dass ich ein Wesen wie sie begreifen könnte, würde sie es wirklich versuchen... Ein bitteres, beinahe amüsiertes Zucken lag in ihrem Gesicht. Ihre Finger schlossen sich etwas fester beim Streicheln um Thura. Dafür bin ich viel zu klein.
Dann verschwand auch dieser Ansatz von Humor wieder.
Ich weiß nicht, was ich in all dieser Scheiße überhaupt noch erwarten soll. Und wenn ich herausfinde, dass ich die ganze Zeit nur Unsinn gemacht habe, ist das auch eine Antwort. Dann sah sie wieder auf die Runen.

Und genau deshalb bin ich hier. Und du? Einige Momente noch hat sie die Runen im Blick, dann sieht sie zu Firun. Er kann durchaus das Gefühl haben, dass sie sich vieles einfach von der Seele reden musste. Sie bemüht sich gar nicht zu lächeln oder freundlich zu klingen. Sie ist einfach nur. Warum stapfst du durch den Schnee? Dabei musterte sie ihn deutlich. Erkennt sie ihn? Trägt er etwas an sich, dass ihn einem Volk eindeutig zuordnet?



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Firun ließ den Blick einen Moment auf ihr ruhen, als sie ihn musterte.

Seine Kleidung gab wenig her, woran man eine Herkunft hätte festmachen können. Eine schlichte graue Robe, darüber ein dunkler Mantel und ein dickes Tuch um den Hals, zweckmäßig genug für die Kälte und frei von Wappen oder auffälligem Schmuck. Sein Haar war ungewöhnlich hell, irgendwo zwischen weißblond und einem sehr hellen Grau. Für vollständig ergraut wirkte er jedoch deutlich zu jung. Das glattrasierte Gesicht half bei der Einordnung ebenso wenig wie seine Statur. Für einen Nordländer fehlte ihm die Größe und wohl auch die kräftige Erscheinung, für einen Südländer sprach überhaupt nichts an ihm. Und wenn er aus dem Kaiserreich stammte, dann entsprach er jedenfalls nicht unbedingt dem dort häufigeren Erscheinungsbild.

Er wartete, bis sie geendet hatte.
„Ich glaube Euch sogar, dass Ihr damit etwas erreichen könntet.“
Sein Blick wanderte noch einmal über die Runen.
„Das ist etwas anderes, als zu behaupten, Ihr wüsstet, was.“
Er schien darüber nicht einmal besonders beunruhigt. Eher nachdenklich.
„Die meisten Erkenntnisse beginnen damit, dass jemand Dinge miteinander verbindet, die zuvor niemand verbunden hat. Das Problem beginnt erst dort, wo man Erfolg und Verständnis verwechselt.“
Dann sah er zu Klara. Diesmal länger.
„Und genau deshalb würde ich mit ihr vorsichtig sein.“
Firun erhob sich von dem Stein und trat ein wenig näher, ohne den Salzkreis zu überschreiten. Sein Blick lag nicht auf Runa, sondern auf der Kugel.
„Ihr sagt, sie zeigt Euch Bilder. Empfindungen. Dinge, die Ihr nicht recht einordnen könnt.“
Eine kurze Pause.
„Dann habt Ihr bereits eine Verbindung.“
Er neigte den Kopf etwas, als ändere sich mit dem Winkel irgendetwas an dem, was er im Glas sah.
„Nur bin ich mir nicht sicher, ob sie zu dem gehört, was Ihr hier aufzubauen versucht.“
Für einen Augenblick spiegelte sich der Vollmond auf der gewölbten Oberfläche Klaras. Firuns Stirn legte sich leicht in Falten. Er bewegte sich einen Schritt zur Seite. Dann noch einen.
Der Mond wanderte mit seinem Blick über das Glas. Etwas daran schien ihm nicht zu gefallen.
„Merkwürdig.“
Mehr sagte er zunächst nicht dazu. Stattdessen richtete er sich wieder auf.
„Ich bin wegen des Mondes hier.“
Er sah kurz hinauf.
„An bestimmten Orten lässt sich sein Einfluss besser beobachten als zwischen Häusern und Feuerstellen. Ich wollte bereits gestern herkommen.“
Ein leichtes Schulterheben.
„Ich kam nicht dazu.“
Damit schien die Erklärung für ihn zunächst erledigt. Dann deutete er mit einem knappen Nicken auf Klara.
„Wenn Ihr herausfinden wollt, wohin sie Euch führt, dann solltet Ihr genau das tun.“
Sein Blick ging zurück zu Runa.
„Aber nennt das, was Euch dort antwortet, nicht Arelia, nur weil Ihr nach ihr gefragt habt.“
Er ließ einige Herzschläge verstreichen.
„Und wenn Ihr tatsächlich Arelia suchen wollt, würde ich anders beginnen.“
Firun zog seine Handschuhe fester.
„Ohne Blut. Ohne drei verschiedene Lehren zugleich. Und zunächst ohne die Kugel.“
Keine Forderung lag darin.
„Ich will euchg da nichts verbieten. Doch würde ich wissen wollen, worauf etwas reagiert, wenn es reagiert.“
Sein Blick fiel erneut auf ihre blauen Lippen.
„Heute allerdings nicht mehr.“
Er deutete auf den halb geschmolzenen Kreis.
„Beendet das hier. Oder folgt dem, was Ihr mit Klara begonnen habt.“
Eine kleine Pause.
„Beides zugleich halte ich für eine ausgesprochen schlechte Idee.“
Dann sah er sie unmittelbar an.
„Wenn Ihr danach noch wissen wollt, wie ich versuchen würde, nach Arelia zu suchen, findet mich.“
Er nannte ihr einen Ort und eine Gelegenheit, zu der er in den kommenden Tagen anzutreffen sein würde.
„Bringt dann gern Eure Fragen mit.“
Sein Blick wanderte noch einmal zu Klara.
„Die würde ich allerdings fürs Erste zu Hause lassen.“
Firun schwieg einen Moment. Dann fügte er deutlich leiser hinzu:
„Zumindest solange, bis Ihr herausgefunden habt, warum sich der Mond darin gerade nicht so spiegelt, wie er sollte.“
Und damit stapfte er weiter durch den Schnee. Er entfernte sich von dem Ort und ließ Runa allein zurück.
Runa

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Eine Weile saß sie noch einfach da, dann stand sie auf. Thura sprang von ihrem Schoß und setzte sich auf den geschmolzenen Platz, den Runa nun eine Weile erwärmte. Ein prüfender Blick von Runa ging über das, was sie da geschaffen hatte. Seufzend griff sie ihre Handschuhe. Ohne sich weiter um die Wunde zu kümmern, zog sie die Handschuhe an. Dann nahm sie einen kleinen Ledersack, den sie unter dem Mantel getragen hat. Eine deutliche Geste des Kopfes deutete Thura, sich von dem Platz weg zu bewegen. Dies geschah dann auch. Stolz marschierte sie zum nächsten Baum, erklomm den ersten dicken Ast spielend und beobachtete Runa von dort weiter. Derweil wurde das Ledersäckchen geöffnet. Ein Pulver wurde von ihr großflächig über den Stern verteilt. Teilweise sank es gleich in den Schnee, teilweise blieb eine gelbliche Schicht zurück. Ungewohnt für sie hob sie die Füße bei ihren Bewegungen kaum an. Mit jedem Zentimeter, den sie sich bewegte, schob sie Schnee auf. Linien, Salz und Pulver vermischten sich mit dem umliegenden Schnee. Die von ihr bearbeitete Fläche ist größer und deutlich unförmiger als ihr gezeichnetes Pentagramm. Als sie diese Arbeit für ausreichend hielt, wurde das Ledersäckchen wieder weggesteckt. Zuletzt griff sie sich Klara, das Kristallglas wurde in den Schnee gelegt und dort etwas gedreht und geschoben, sodass das Blut vom Schnee aufgesogen wurde.
Die Fläche verließ sie dann, als sie sich sicher war, ihre Spuren seien verdeckt. Erst ging sie ins Tal und wärmte sich dort auf. Erst eine ganze Weile später, die Sonne stand bereits am Himmel, ging sie wieder zurück in ihr Labor.


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