| Message |
|
|
Runa ließ ihn ausreden. Nicht, weil seine Worte etwas in ihr bewegten. Sie hörte einfach still zu. Sie sah dabei nicht zu ihm, sondern auf die Salzlinie unmittelbar vor sich. Thura saß noch immer auf ihrem Schoß. Erst als Firun seine letzte Frage gestellt hatte, richtete sie den Blick auf Klara und antwortete.
Ich weiß nicht, ob ich das hier richtig gemacht habe. Ich habe drei Lehren. Ein wenig habe ich bei den Magiern auf der Insel gelernt. Genug, um zu wissen, dass Magie aus mehr besteht als aus einem Kreis und ein paar Worten. Alles hat dort seinen Platz. Dort habe ich viele Theorien gelernt. In dieser Art in Aktion gesehen habe ich sie aber nie bei Magiern. Ihr Blick fiel auf ihre blutige Hand, dann wieder zu Klara. Ein kurzer Moment Stille. Ich kann Magie trotzdem nicht wirken. Thura bewegte sich leicht auf ihrem Schoß. Runa strich der Katze einmal über das Fell, ohne den Blick von Klara zu nehmen.
Das ist der Unterschied zur Alchemie. Alchemie kann jeder lernen und nutzen. Wenn ich genau genug sage, welche Zutaten es braucht, in welcher Menge und in welcher Reihenfolge, kann jeder dasselbe Ergebnis erzielen, wie ein gelernter Alchemist. Bei Magie reicht Wissen nicht. Ihr Blick wanderte zu der Salzlinie neben ihr. Und ich soll sowas wie eine Hexe sein. Ein leises, trockenes Ausatmen. Hexen benutzen Runen. Also benutze ich Runen. Es wäre auch irgendwie verwunderlich, wenn ich nicht anfangen würde, Dinge einfach miteinander zu vermischen, um zu sehen, was daraus wird. Alchemisten machen sowas. Die Rune, die vor ihr in ihrem Blickfeld lag, wurde Anker ihres Blickes. Dagaz steht für Arelia. Ob sie an diese Stellen gehören, weiß ich nicht. Ich habe sie dort gesetzt, weil ich Arelia anrufen wollte. Einen Weg zu ihr, ihren Ohren und Dienern gesucht habe. Alvhit sagte, wenn ich Wissen suche, soll ich Arelia anrufen. Vielleicht gehören dort andere Runen hin. Vielleicht auch keine. Vielleicht ist das ganze Pentagramm ein Fehler. Salz schützt und es wird für solche Kreise benutzt, also habe ich es verwendet. Dann sah sie das erste Mal wirklich zu Firun. Ihr Blick ist glasig, ihre Lippen blass und blau. Nicht nur der Kälte wegen wirkt sie erschöpft. Vier Spitzen zeigen in die vier Himmelsrichtungen. Das habe ich so schon mal gesehen. Die fünfte zeigt auf das Ziel.“ Ihr Blick geht wieder auf Klara. „Und Klara liegt dort draußen, weil ich nicht mit ihr hier drinnen sein wollte. Eine kleine Pause. Ein Schulterzucken. Vielleicht funktioniert es nicht. Wahrscheinlich habe ich irgendeinen völligen Unsinn gebaut. Sie schien darüber tatsächlich nachzudenken. Aber ich wüsste nicht, warum ich es nicht dennoch versuchen sollte. Dinge miteinander zu verbinden liegt in meiner Natur. Ihre Stimme wurde etwas lebendiger, als sie mehr ins Alchemistische fiel. Nicht fröhlicher. Nur vertrauter. Alte Magie ist verloren. Wirklich alte Magie. Was heute noch übrig ist, sind Bruchstücke. Verschiedene Wege, verschiedene Lehren, verschiedene Regeln. Niemand weiß doch wirklich noch, was davon ursprünglich zusammengehörte. Sie sah auf das Blut an ihrer Hand. Vielleicht ist diese Verbindung falsch. Vielleicht ist sie gefährlich. Vielleicht ist sie vollkommen wirkungslos. Dann hob sie den Blick wieder zu Klara. Aber vielleicht ist sie auch genau das, was funktioniert.
Sie schwieg einen Moment.
Ich weiß es nicht.
Ihre Lippen waren inzwischen deutlich blau. Thuras Wärme lag schwer auf ihrem Schoß, während die Kälte längst durch Mantel und Umhang bis in ihre Knochen gekrochen war. Runa nahm die Kälte wahr, aber sie schien nicht wichtig genug, um etwas dagegen zu unternehmen. Und warum ich hier sitze… Prophezeiungen. Sie atmete langsam aus. Ich kenne die Wege schon. Oder viele? Sicher nicht alle, aber mehr als ich brauche. Klara ist nicht dafür bekannt, mir klare Bilder zu zeigen. Also sie zeigt mir manchmal Bilder, lässt mich Dinge fühlen und schmecken, aber auch das immer sehr vage. Und tja, jeder mir bekannte Weg zieht gewaltige Schatten hinter sich her. Seufzt einmal. Ich erwarte nicht, dass Arelia selbst mir antwortet. Ich erwarte auch nicht, dass ich ein Wesen wie sie begreifen könnte, würde sie es wirklich versuchen... Ein bitteres, beinahe amüsiertes Zucken lag in ihrem Gesicht. Ihre Finger schlossen sich etwas fester beim Streicheln um Thura. Dafür bin ich viel zu klein.
Dann verschwand auch dieser Ansatz von Humor wieder. Ich weiß nicht, was ich in all dieser Scheiße überhaupt noch erwarten soll. Und wenn ich herausfinde, dass ich die ganze Zeit nur Unsinn gemacht habe, ist das auch eine Antwort. Dann sah sie wieder auf die Runen.
Und genau deshalb bin ich hier. Und du? Einige Momente noch hat sie die Runen im Blick, dann sieht sie zu Firun. Er kann durchaus das Gefühl haben, dass sie sich vieles einfach von der Seele reden musste. Sie bemüht sich gar nicht zu lächeln oder freundlich zu klingen. Sie ist einfach nur. Warum stapfst du durch den Schnee? Dabei musterte sie ihn deutlich. Erkennt sie ihn? Trägt er etwas an sich, dass ihn einem Volk eindeutig zuordnet?
|
 |
|
|
Der Schnee glitzerte im Licht des Vollmondes. Weit genug entfernt vom Tal der Hexen, von Dörfern und Städten, hatte Runa einen Platz gesucht, an dem sie niemand störte. Keine Stimmen. Keine Fragen. Niemand, der etwas von ihr wollte. Nur Schnee. Sie hatte schon einige Kanalisierungskreise gesehen. Magier, die damit ihre Kraft bündelten, etwas riefen oder eine Verbindung zu etwas aufbauten, das besser nicht einfach ungeschützt an sie herankommen sollte. Runa wusste nicht wirklich, wie sie funktionierten. Aber sie wusste, dass Salz schützen konnte. Und schmelzen. Das jedenfalls konnte sie überprüfen.
Mit entschlossenen Bewegungen ließ sie das Salz durch ihre Finger rieseln und zog einen Kreis in den Schnee. Die Körner fraßen sich in die weiße Oberfläche, ließen die Linien langsam schmelzen. In den Kreis zeichnete sie ein Pentagramm. Vier Spitzen wiesen in die vier Himmelsrichtungen. Die fünfte zeigte auf Klara. Zumindest hoffte sie, dass es so richtig sein könnte. Sie hatte es so ähnlich gesehen. Ob die vier Spitzen tatsächlich in diese Richtungen zeigen mussten, wusste sie nicht. Ob dort bestimmte Runen hingehörten, wusste sie noch weniger.
Also setzte sie an jede der vier Ecken DAGAZ. Arelia.
Ob man dort überhaupt die Rune der Göttin setzen sollte, wusste Runa ebenfalls nicht. Aber sie wollte Arelia rufen. Und wenn sie schon nicht wusste, was sie tat, dann konnte sie wenigstens versuchen, es richtig zu meinen.
Klara legte sie außerhalb des Kreises in den Schnee. Eben genau am die letzte Spitze des Pentagramms. Auch das war vielleicht falsch.Vielleicht musste die Kugel mit hinein. Vielleicht musste sie genau in die Mitte. Vielleicht war es gefährlich, sie außerhalb zu lassen. Vielleicht ist es eine Evokation und was auch immer sie in Klara ruft, ist dann frei und sie selbst sitzt im Kreis fest.
Runa wusste es nicht. Und genau deshalb setzte sie sich selbst in den Kreis. Wenn etwas kam, dann sollte es gefälligst zuerst durch das Salz.
Sie zog die Beine an, setzte sich schließlich im Schneidersitz hin und schloss die Augen. Thura kringelte sich still auf ihren Schoß. Die Wärme der kleinen Katze war erst kaum spürbar, doch bald war es genau diese Wärme, die sie im hier und jetzt hielt. Die ihr sagte, dass kein Versuch schlechter war, als die Alternative.
Der Mantel hielt die Wärme zurück. Der Eisbärfellumhang noch besser. Trotzdem kroch die Kälte langsam durch alles hindurch. In ihre Finger. Ihre Beine. Bis tief in die Knochen. Runa bewegte sich nicht. Sie wartete. Eine lange Zeit. Keine Stimmen. Keine Gedanken, die sich zu einer Antwort formen wollten. Nur der Wind, der über den Schnee strich.
Dann öffnete sie die Augen.
Der Dolch kam aus ihrer Tasche.
Ein kurzer Schnitt in die Handfläche.
Sie sah das Blut nicht lange an. Sie legte die Hand auf Klara und ließ die roten Tropfen über das Glas laufen. Die Kugel blieb kalt. Runa sah hinein. Nahm die Hand von ihr.
Dann sprach sie. Arelia. Ihre Stimme war ruhig. Beinahe gefühl los. Du bist die, die Antworten geben kann. Du bist diejenige, die im Zentrum von all dem steht. ihre Augen blieben auf Klara. Genau wie jener, der heute Nygamnon heißt, Schuld an dieser Situation trägt, trägst auch du sie. Kein Vorwurf lag darin. Vielleicht war selbst dafür keine Kraft mehr übrig. Ich suche keine Lösung von dir. Davon habe ich schon zu viele. Sie sah kurz über den Kreis. Das Salz hat sich bereits so tief in den Schnee gebort, dass man die dunkle Erde, die sonst unterm Dauerfrost verborgen liegt, sieht. Gib mir einen Grund. Ihre Stimme wurde etwas härter. Adelis bewegt sich nicht. Die Eisläufer tun nichts. Niemand nimmt die Bedrohung wirklich ernst. Ihr Blick richtete sich fester an die Kugel, die Welt um sie herum schien nur noch schwarz und fern. Warum sollte ich es also? Der Wind fuhr durch ihre Haare. Ihre Lippen waren bereits blau. Wenn Adelis in hunderten von Jahren zu dir geht und alles vernichtet, hat das nichts mit mir zu tun. Nicht einmal die Menschen, die ich heute kenne, würden darunter leiden. Ihr Blick blieb starr. Also gib mir einen Grund.
Lange sagte sie nichts. Gib mir einen Grund, warum ich den letzten Rest, der von mir noch existiert, für dieses Unterfangen opfern soll.
Dann schwieg sie. Keine weitere Frage. Kein Flehen. Runa blieb einfach sitzen, die blutige Hand auf Thura, mitten in ihrem hastig zusammengesetzten Kanalisierungskreis.
Sie wusste nicht, ob die vier Runen richtig waren.
Sie wusste nicht, ob Klara dort draußen richtig lag.
Sie wusste nicht einmal, ob sie überhaupt geschützt war.
Aber zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie aufgehört, so zu tun, als wüsste sie, was sie tat.
Jetzt konnte Arelia entscheiden, ob das genügte.
|
 |
|
|
*von allen Ecken des Kaiserreichs kann er immer wieder vernehmen, dass Runa über ihn spricht... Oder mit ihm? Viel Sinn erkennt man nicht. Viele Worte werden ausgelassen, doch was er erkennen kann: es hat mit Nordwind zu tun.
Wenn er darauf achtet, läuft sie wohl immer wieder von Dengra ausgehend durch die Ebene, bis zu der Insel am Nebelland, ruht sich dort eine Weile aus und reist mit der Kutsche zurück nach Dengra. Sie geht dabei sehe weit ab der Wege, hinterlässt Wiesen, die von Kräutern befreit sind und die eine oder andere Leiche eines Ogers oder Alligators. *
|
 |
|
|
Der Wind hatte zugenommen. Er strich hart über das Tal, riss am Gras und ließ einzelne Stähnen von Runas Haare immer wieder in Gesicht peitschen. Doch sie bewegte sich kaum. Ihre Hand lag noch immer auf Klara.
Blut klebte auf dem Glas, war inzwischen dunkler geworden, zäh.
Nichts.
Keine Bewegung in der Kugel. Kein Flackern. Kein Schatten. Nur ihr eigenes Spiegelbild, verzerrt durch das Glas. Runa starrte hinein, lange, als könnte sie mit bloßer Sturheit etwas erzwingen. Ihre Finger drückten fester gegen die Kugel, bis das Blut erneut zu laufen begann. Über die dunklen Spuren zieht sich ein erneuter hellroter Schleier. Natürlich nicht, murmelte sie schließlich. Der Satz war kaum mehr als Atem. Langsam zog sie die Hand zurück. Sie betrachtete die Schnittwunde nicht einmal, wischte das Blut nur gedankenlos an ihrer Hose ab. Klara stand unverändert vor ihr, glatt, kalt. Vollkommen gleichgültig, obwohl sie so eben in Blut getränkt wurde. Du hast bei Issam etwas gezeigt, sagte sie leise. Bei Takama auch. Ihre Stimme war ruhig, aber hart geworden. Und bei mir… nichts. Ein kurzes, trockenes Lachen verließ ihre Kehle, ohne dass ihr Gesicht sich dabei veränderte. Vielleicht passt das. Sie griff nach einem Stein und warf ihn achtlos die felsige Wand hinaauf. Er prallte irgendwo gegen Fels, klirrte wieder hinab und verschwand dann im Gras. Ich soll eine Hexe sein. Der Satz klang nicht stolz. Nicht einmal zweifelnd. Nur müde. Seitdem ich das bin, ist nichts besser geworden. Der Wind trug ihre Worte fort, doch sie sprach weiter, leiser jetzt, mehr zu sich selbst als zu der Kugel. Menschen sterben. Alles zerbricht. Und ich soll mich gegen die Natur stellen. Gegen den Fluss der Zeit. Ihre Finger schlossen sich langsam zur Faust. Warum?
Keine Antwort. Wer hatte überhaupt diese verdammte Idee? Thura, irgendwo hinter ihr, machte ein Geräusch, doch Runa sah nicht hin. Ihr Blick blieb auf Klara liegen, als würde sie das Glas dafür verantwortlich machen. Ich soll Adelis aufhalten. Aelia helfen. Prophezeiungen erfüllen... Ein bitterer Zug huschte über ihr Gesicht. Und ich weiß nicht einmal, wie ich eine Kugel zum Reden bringe. Der Wind wurde wieder stärker. Das Gras legte sich flach und richtete sich wieder auf. Runa saß still dazwischen. Für einen Moment wirkte es, als wolle sie noch etwas sagen. Doch der Gedanke verging, bevor er Worte fand. Stattdessen nahm sie Klara einfach in beide Hände und sah erneut hinein. Nicht hoffnungsvoll. Nicht erwartend. Nur prüfend. Als würde sie langsam begreifen, dass sie vielleicht genauso leer war wie das Glas. Achtlos ließ sie die kristallene Kugel auf das Gras fallen. Ihr leerer Blick richtete sich in die Ferne. Ohne einen weiteren Blick zu Klara stand sie auf, ging einige Schritte. Kaum, dass sie ein paar Meter entfernt war, setzte sich auch Thura in Bewegung, weg von Klara, Runa hinterher.
|
 |
|
|
Ein leises, kehliges Lachen verlässt sie. Auch als die Töne verebbt sind, bleibt das Grinsen zurück.
Man denkt so, weil es knallt und raucht. Oder weil irgendwer gesehen hat, wie ich Leder verstaube und in Flaschen fülle. Wobei die eher skeptisch sind, wenn Metallstaub irgendwo verschwindet oder komische Pilze. Sie stellt das Glas neben sich ins Fell und zeichnet mit dem Finger eine unsichtbare Linie ins Holz vor sich. Ich mahl Metalle zu Pulver. Fang ein, was sie ausmacht. Einfach sind da Legierungen für Waffen, nimmst die Standhaftigkeit von Valorite und legierst das mit der Fähigkeit Untote zu ärgern von Silber. Und dann sind da Monster. So manches Leder trägt noch das Wesen in sich. Ettins zum Beispiel: zwei Köpfe, zwei Gedanken. Ihr Leder gibt, richtig gebunden, ein Konzentrat für Tränke, die den Geist bündeln. Falsch gemischt? Dann streiten die Gedanken im Schädel. Ein knappes Schulterzucken. Die Menschen hörn nur, dass ich Tränke braue und Eigenschaften verteile und denken gleich an Flüche. Hexerei und Flüche haben hier im Norden ne andere Bedeutung als sonst wo. Sie lehnt sich ein wenig zurück, der Blick kurz zum Kamin, dann wieder zu Kesvinn. Zunderstein mahl ich oft. Für wärmende Salben. Wenn ich da nich aufpasse, hebt mir die Schüssel ab. Is schon vorgekommen. Seitdem arbeite ich langsamer. Ein kleines Grinsen. Und ja… ich kann auch Dinge, die viel Staunen aber noch mehr Nutzen bringen. Haut für ’ne Weile hart wie Stein. Tiere kleiner, als sie sein sollten. Hält nich’ lang. Aber lang genug.
Als Kesvinn vom Baum spricht, wird ihr Blick einen Moment ruhiger. Wasn fürn Baum? Is zwar kalt hier, aber gibt dennoch einige Bäume hier... Schaut sie einen Moment an und man kann ihr nahezu ansehen, wie die Erinnerung in ihren Kopf zurückkehrt. Der Druide. Der Sage nach… is der Baum da unten kein gewöhnlicher Baum. Man sagt, er war mal n Druide. Sie hebt leicht eine Schulter. Druiden stehen der Natur näher, als wir uns das überhaupt vorstellen können. Manche nehmen Tiergestalt an, streifen als Hirsch oder Rabe durch den Wald. Andere werden selbst zu Pflanze oder eben zum Baum. Und sie hören Dinge… durch Wurzeln, durch Erde, über Strecken, die kein Bote je laufen könnte. Was irgendwo im Forst geschieht, bleibt nich’ immer im Forst. Ihr Blick wird einen Hauch ernster. Deshalb heißt es auch: Wer dem Wald sinnlos schadet – nur aus Trotz oder Grausamkeit – der soll sich nich zu sicher fühlen, nur weil er allein zwischen den Stämmen steht. Ein Vogel. Ein Eichhorn. Ein Baum. Es gibt immer Zeugen. Die Wächter der Natur sind keine Rachegeister… ein schiefes Lächeln …aber Kuschelbärchen auch nich. Sie lässt den Blick wieder Richtung Fenster wandern, dorthin, wo draußen der Hang liegt. Und bei dem Baum… da streiten sich die Alten. Die einen sagen, er blieb Baum, weil die Menschen zu dumm geworden sind und er das Treiben nich mehr ertragen hat. Die anderen meinen, er hat über die Jahre vergessen, dass er mal n Mensch war. Hat vergessen, wie man zurückgeht. Ein leises Ausatmen. Wenn du drunter stehst, fühlt es sich… wach an. Nich böse. Aber aufmerksam.
Sie stützt den Arm locker auf dem angewinkelten Knie ab. Und das Leben hier? Hart, aber klar. Kälte lügt nich. Der Berg auch nich. Wenn du was kannst, bleibst du. Wenn nich, lernst du oder gehst.
Ein leichtes Anheben des Kinns, neugierig, aber ohne Druck. Was genau willst du wissen? Geschichten? Oder Rezepte?
|
 |
|
|
Hält das Glas einen Moment in beiden Händen, dreht es leicht, sodass das Feuer darin tanzt. Ihr Blick folgt Kesvinns Worten, wandert prüfend durch den Raum, als würde sie das Haus durch deren Augen neu betrachten. Ein schiefes, beinahe stolzes Lächeln huscht über ihr Gesicht. Aelia hat ’n guten Blick für so was. Die hätt’s auch ohne mich genommen. Zuckt mit einer Schulter. Aber… ihr Blick gleitet kurz zur Bodenluke, dann wieder zurück …der Keller is’ praktisch. Dicke Mauern. Kaum Zug. Und wenn ich unten arbeite, riecht’s im Dorf nich’ tagelang nach verbranntem Harz oder Schwefel. Sie nimmt einen Schluck vom Met, wischt sich mit dem Handrücken über die Lippen. Lehnt sich etwas zurück, stützt eine Hand im Fell ab.Ich hab lange draußen rumprobiert. Zwischen Bäumen, hinter Häusern, am Fluss. Immer hat sich irgendwer beschwert oder neugierig geguckt. Hier… sie nickt langsam …hier kann ich mischen, ohne dass gleich einer denkt, ich vergifte sein Vieh. Ein leises Schnauben, amüsiert, nicht bitter. Und wenn doch mal was schiefgeht, brennt wenigstens nur Stein. Ihr Blick bleibt einen Moment ruhig auf Kesvinn liegen, offen, nicht prüfend. Abgeschieden heißt nich’ einsam. Man gewöhnt sich dran. Und der Weg schreckt die meisten ab, die nur aus Langeweile klopfen würden. Hebt ihr Glas leicht an. Also… gut gewählt, sagst du? Dann hat Aelia wohl alles richtig gemacht.
|
 |
|
|
Der Wind strich kalt durch das Tal der Hexen, fuhr über das kurze Gras und zerrte an Runas Haaren. Sie saß im Gras, die Beine angewinkelt und vor ihr stand Klara. Nicht nur einfach eine Kristallkugel. Klara.
„Du hast es einige Male getan“, murmelte sie leise und strich mit dem nackten Daumen über die glatte Oberfläche. „Oder ich habe es getan. Mit dir.“
Mit Issam hatte sie es gesehen – die Ahnen, dicht hinter ihm, als er Klara berührte. Kein Traum. Kein Zufall. Sie hatte die Schatten gespürt, das Gewicht von Generationen, die durch ihn atmeten.
Und mit Takama war es anders gewesen. Schwerer. Erdiger. Die Erdessenz war in Klara versunken, einfach verschwunden, als hätte die Kugel sie verschluckt. Das war kein Irrtum mehr. Thura saß ein Stück entfernt, schwarzes Fell gegen grauen Stein. Die Katze wirkte reglos, doch Runa wusste es besser. Seit das Fragment aus Grünwald bei ihr war, war etwas anders. Fäden, die sich leichter spannten. Verbindungen, die nicht mehr ganz so zerbrechlich waren.
„Du hilfst“, sagte sie leise in Richtung der Katze, dann wieder zu Klara: „Oder?“ Niemand antwortete. Natürlich nicht.
Sie wusste, dass Opfer helfen. Dass etwas geben hilft, damit etwas sichtbar wird. Mit Takama war es die Erdessenz. Rao hatte einst gesagt, Blut sei ein gutes Opfer, eine starke Bindung. Und wenn sie heute Antworten über sich selbst wollte – über das, was sie als Hexe sein sollte, über Harek, über Aelia – dann war ihr eigenes Blut das Einzige, was ehrlich genug war. Sie atmete durch.
„Ich mache alles falsch“, sagte sie ruhig. Ihre Stimme war nüchtern, fast sachlich. Als würde sie eine Feststellung notieren. „Ich bringe Worte von einem zum anderen. Mehr nicht. Und selbst das ist falsch.“ Der Dolch glitt aus ihrer Tasche. Kein Zögern, ein sauberer Schnitt durch die Handfläche. Das Brennen war klarer als jeder Gedanke. Roter Glanz sammelte sich, tropfte über ihre Finger. Sie legte die blutige Hand auf Klara. Kalt. So kalt. „Wenn ich eine Hexe sein soll, dann zeig mir, was das bedeutet.“ Der Wind zog stärker durch das Tal. Thuras Schweif zuckte einmal. „Was soll ich tun?“ Ihr Blick blieb auf der Kugel. Kein Zittern mehr. „Wie… wenn ich nicht mal ihr vertraue wie damals?“ Das Wort lag schwer in ihr. Vertrauen. Es fühlte sich an wie ein Begriff aus einem alten Buch, theoretisch bekannt, praktisch fremd. „Und wie funktioniert das alles?“ flüsterte sie. „Wie rufe ich jemanden? Wie halte ich ihn?“ Blut zog Schlieren über das Glas. Für einen Moment hatte sie das Gefühl, als würde Klara nicht nur Kälte zurückgeben, sondern Druck. Als würde etwas hinter der Oberfläche lauschen. Runa kniff die Augen nicht zusammen. Sie starrte hinein.
Sie fühlte sich allein. So allein wie schon lange nicht mehr. Und doch war sie immer zwischen Menschen. Immer im Gespräch. Immer auf dem Weg von einer Mauer zur nächsten. Jeder Schritt, den sie als Fortschritt betrachtete, war einer, den jemand anderes angestoßen hatte. Alles, was sie selbst begann, endete im Nebel. „Ich will nicht mehr nur scheitern“, sagte sie leise. Nicht verzweifelt. Nur müde. Ein Windstoß ließ das Gras flach niedergehen. Thura stand nun näher, lautlos, ihre gelben Augen auf Runa gerichtet. Runa spürte den Schmerz in ihrer Hand, das stetige Tropfen, das Pochen in den Schläfen. Sie wartete nicht auf ein Wunder. Nicht auf Stimmen. Nur auf ein Zeichen. Ein Flackern. Eine Regung. Irgendetwas, das ihr sagte, dass sie nicht nur gegen kaltes Glas sprach sondern, dass man sie hörte, dass sie nicht alleine ist.
|
 |
|
|
*Küzre Zeit spter wird noch ein Zettel an die Nachricht gehängt*
Die Alten Gesuche zählen weiterhin. Zudem noch:
- Mangrovenöl
|
 |
|
|
Es werden mal wieder Dinge gebraucht!!
Vor allem besteht die Liste gerade aus
- Misteln
- Alkohol
- Flaschen und Phiolen
Meldet euch, wenn ihr was habt!!
Runa
|
 |
|
|
*Auf der Veranda vor Aelias Haus wird ein weißer Kringel aus Asche gelegt. Nichtmal einen halben Tag später ein weiterer... Am Abend wird noch einer mit Kreide gezeichnet. Falls man Runa dabei beobachtet, wirkt sie gehetzt.*
|
 |
|
|
*Raus aus den Zimmern unter dem Langhaus in der Stadt am Rande der Welt, durch die ganze Stadt hindurch sagt sie jeder Wache, dass sie nach Godric ausschau halten sollen, wenn sie ihn sehen, soll er Runa aufsuchen. Das macht er auch im Bärendorf. Zwischen den Orten sagt sie mehr. Lehnt sich hier und da an einen Baum und flüstert leise genug, dass der Wind die Worte nicht den Berg hinauf tragen.*
Lykke muss geschützt werden. Wir brauchen sie, um das alles zu beenden. Bring sie bitte zu Eirikur und lass sie erstmal dort. Ich erkläre dir alles. Warte nicht auf mich, bevor du sie wegbrinst.
|
 |
|
|
Einige Tage später kommt ein Bote aus dem Norden und sucht nach Kesvinn. Er wird ihr schlicht sagen, dass Runa ausrichten lässt: Kommt bald, sonst bin ich weg. Danach verschwindet er gleich wieder zum Schiff.
|
 |
|
|
Auf dem Tisch vor dem Zimmer im Lsnghaus findet sich ein Schriftstück an. Auf der Nachricht, die eindeutig nicht von Runa geschrieben wurde, liegt ein Zettel mit ihrer Handschrift.
Deine Entscheidung. Gib mir Bescheid.
Runa
Darunter liegt die Nachricht aus der Wüste.
https://uo-elantharil.de:8443/forum/posts/list/15/560.page
|
 |
|
|
Ein Bote überbringt Aelia eine Schriftrolle von der Hexe. Er wird sie suchen, bis er sie findet. Vom Langhaus in der Stadt am Rande der Welt bis zum Bärendorf und genauso hartnäckig betont er auch die Wichtigkeit der Nachricht.
Hey
Wichtige Neuigkeiten:
- Amin ist bei Lykke, sie ist nicht mehr in Lebensgefahr. Weitere Schritte müssen noch geklärt werden.
- Bezüglch der Erstattung seiner Kosten für Behandlung, Reise und Aufenthalt habe ich Amin an dich verwiesen, vorerst legt er aus. Er wird sich entweder selbst an dich wenden oder ich überbringe dir am Ende eine Rechnung.
- Die vollständige Verzauberung des Speers ist nicht unmöglich, es gibt einige Theorien, denen ich nachgehen kann.
- Laut Amin wirkt der Speer oder der Vorfall um Lykke an sich auf mich ein. Vorsichtshalber verstaue ich ihn im Labor, nachdem ich ihn Alvhit zeigte.
- Godric weiß um Lykke bescheid.
Runa
|
 |
|
|
Hey,
hab ihn getroffen und grob aufgeklärt. Er lässt sich noch einen Mantel machen, die Schneiderin war da. Hab ihm gesagt, dass wir seine Kosten wegen Kleidung und Reise tragen, damit du Bescheid weißt.
Er muss noch ein paar Besorgungen machen, deswegen reise ich weiter zu Issam. Sollte sich ihr Zustand ändern, schick einen Boten und er reist sofort an. Sonst bringe ich ihn mit, wenn alles beisammen ist.
Ich hoffe es ist alles gut bei dir.
Runa
|
 |
|
|
|
|