Scherben der Vergangenheit
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Messages posted by: Ilayda bint Zhaabiz
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Message
Edona wird Johann eine Nachricht übergeben, sobald er das nächste mal in das Bankhaus von Dengra kommt.

Shalea,

ich war zur vereinbarten Zeit an eurem Haus und habe gewartet, um eine Lösung anzubieten die keine Zeitverschwendung wäre.
Ihr wart nicht anzutreffen.
Wenn ihr an unsere Wette denkt, wisst ihr wo ich bin.

Ilayda
Nachdenklich hatte Ilayda die ganze Schiffahrt über in die Flamme einer Fackel gestarrt. In ihrer Tasche hatte sie den Brief, welchen Ylvie auf ihr Anraten hin an Delara verfasst hatte. Ob die Bognerin verstanden hatte, worüber Arik und die Südländerin sich unterhalten hatten, konnte sie nicht einschätzen. Das Ylvie verstand, welche Gelegenheit sich für sie bot, wenn sie ihre Dienste an Aelia und Delara heran trug, glaubte sie fast nicht. Sollte sie sich irren, wäre es zumindest eine positive Überraschung.
Kurz sprach sie mit Amin, als sie im Hafen des Juwels von Bord ging, dann führten sie ihre Schritte zum Serai, wo sie das Schreiben an Delaras Turmtür heftete und sich in ihr eigenes Zimmer zurück zog.

De Weberin zum Gruße Sayyida Delara Bint Era,

Ich wäre gern für ein Treffen bereit,
um mich mit Euch über ein Auftrag zu besprechen.
Ich würde auch in den Süden reisen.

Ylvie, Bognerin aus dem Norden


Noch immer ein wenig ratlos verließ sie das Zelt Amins. Auch der Statthalter konnte ihr nicht beantworten was genau Delara unter einem vollständigen Bericht verstand. Der einzige Rat den er ihr geben konnte, war ausführlich und mit Namen zu berichten. Einen größeren Fehler jedoch schien sie nicht gemacht zu haben, zumindest hatte Amin sie während des Gesprächs nicht darauf hingewiesen oder sie dahingehend zurechtgewiesen.

Das, was Safiya nach ihrer Beschreibung niedergeschrieben hatte, klang zumindest nach einem Bericht. Nun konnte Ilayda nur hoffen, dass Delara es ebenso sehen würde.

Am nächsten Morgen fand sich ein weiteres mal ein Pergament an der Tür zu Delaras Turm.

Bericht über die Vorkommnisse bezüglich der Enad Janu

am 22. Dudlachd des Jahres 686 wurde die Enad Janu am Teppichlandeplatz in der Kaiserstadt angetroffen. Sie wollte mit einem Teppich fortreisen, verließ diesen jedoch als sie die Gardistin Ilayda neben dem Luftelementaristen Azhar stehen und zu ihr blicken sah.
Diesem Treffen voraus gingen zwei weitere Aufeinandertreffen mit der Gardistin, bei denen sie zuerst einer Einladung in den Serai nicht nachkam und statt dessen in der Kaiserstadt verblieb. Einige Tage später wurde sie in der Blume des Südens angetroffen, auch hier am Teppichlandeplatz. Sie reagierte nicht auf Versuche mit ihr zu reden, statt dessen lief sie wortlos fort. Sie konnte verfolgt und eingeholt werden. Als erneut versucht wurde sie anzusprechen, beschleunigte sie ihren Schritt. Die Enad verschwand vermutlich in den Höhlen zwischen dem Juwel und der Blume.
Dieses mal wurde sie von der Gardistin Ilayda ins Juwel gebracht. Einer Einladung des Statthalters Amin al-Farabi, welche ihr durch die Gardistin in seinem Namen bereits vor dem ersten Treffen mit Euch, ausgesprochen wurde, wurde bis zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls nicht nachgekommen.
Auf die beiden vorangegangenen Treffen angesprochen erklärte sie, dass sie das Gefühl hatte, die Gardistin könnte sie nicht leiden und ihr Verhalten ein dummer Ausdruck ihrer Angst gewesen sei, vor mir wegzulaufen. Eine Erklärung für die anfängliche Abwesenheit einer Reaktion auf die Ansprach in der Blume gab sie nicht.
Um ihr zu ermöglichen zu lernen, wie sie sich außerhalb des Juwels verhalten sollte um mit ihrem Verhalten weder Schande über unser Volk noch über sich zu bringen, befahl die Gardistin ihr, das Juwel nicht zu verlassen, bevor sie nicht wenigstens der Einladung des Statthalters folge geleistet hat. Ihr ebenfalls dazu geraten das Gespräch mit Meister Issam zu suchen, um etwas über die Traditionen und den Handel zu lernen, ehe sie das Juwel wieder verlässt.
Die übrigen Gardisten wurden darüber informiert, dass sie Meldung erstatten sollen, wenn die Enad Janu das Juwel verlassen sollte.

Statthalter Amin al-Farabi stimmte der Gardistin zu Janu keine weiteren Aufgaben zu übertragen, ehe sie seiner Einladung gefolgt ist.

verfasst im Auftrag der Gardistin Ilayda
Die Nachricht erreichte Ilayda als sie den Serai verlassen wollte. Ein wenig ratlos stand sie da, nachdem der Bote die Nachricht verkündet und ihr das Pergament übergeben hatte. Wenn sie Delaras Worte richtig deutete, dann bedeutete "umgehend" soviel wie "der Bericht hätte vollständig sein müssen und statt der ersten Nachricht geschrieben werden sollen". Es beantwortete ihr allerdings nicht die Frage danach, was genau ein vollständiger Bericht beinhalten müsste. Sie hatte etwas derartiges bislang nie verfassen müssen und ein weiterer unvollständiger Bericht würde bedeuten Delaras Zeit zu verschwenden. Am besten fragte sie Amin, was genau Delara erwarten würde...
Ilayda schloss die Tür hinter Janu. Es war ein langes Gespräch, welches die beiden geführt hatten. Die Gardistin hatte die Handwerkerin in der Stadt des Glanzes angetroffen. Den selben Fehler wie das letzte Mal wollte sie nicht machen. Um Verzeihung bitten zu müssen hasste sie fast ebenso sehr, wie Beleidigungen über sich ergehen zu lassen und dabei ihrem Temperament nicht einfach nachgeben zu können. Haltung und Fassung bewahren.
Janu sagte ihr, sie hätte das Gefühl, Ilayda könne sie nicht leiden. Ilayda vermutete, dass sie damit die kühle und distanzierte Art meinte, welche sie sich selbst von Delara abgeschaut hatte. Das ihrer Einladung nicht nachgekommen worden war, war eine Sache die Ilayda selbst verärgerte, aber Janu war auch noch immer nicht der Einladung von Amin gefolgt, was sie als Zeichen von Desinteresse deutete sich im Volk einzubringen. Als Handwerkerin schien Ilayda auch ein Gespräch mit Issam über den Handel und das Verkaufen von Waren die Janu herstellen konnte unabdingbar. Im Juwel gab es Aufgaben, welche Janu übernehmen könnte, wenn sie sich denn nützlich machen wollte, aber dafür sollte Janu zuerst einmal Amin treffen.
Dieses Treffen sollte nicht weiter aufgeschoben werden und so entschied die Gardistin, dass die Handwerkerin im Juwel bleiben sollte, bis sie der Einladung Amins gefolgt war.
Während eines späteren Rundgangs durch das Juwel wurden die Wachen darüber in Kenntnis gesetzt, das Ilayda informiert werden will, sollte Janu das Juwel verlassen. Sollte sie das Juwel dennoch verlassen, soll man sie ziehen lassen. Von Safiya ließ Ilayda einen Brief für Delara verfassen, welchen sie an die Tür des Turmes heftete.

Shalea Sayyida Delara Bint Era,

ich traf Janu heute in der Stadt des Glanzes und nahm sie mit mir zurück ins Juwel. Der Einladung Amins zu einem Treffen kam sie bislang nicht nach. Ich befahl ihr das Juwel erst wieder zu verlassen, wenn sie der Einladung nachgekommen ist. Die Wachen wurden unterrichtet zu melden, sollte sie das Juwel dennoch verlassen.

Schatten und Wasser
Ilayda
Zufall war das Wort, mit dem Ilayda es später beschreiben würde. Der Teil des Juwels, in welchem die Schreinerin sich zurückgezogen hatte um ihrer Arbeit nachzugehen lag nicht auf den üblichen Wegen der Wachen.

Die Kaiserliche war kaum ansprechbar. Das einzige was sie wirklich hervorbrachte, waren die Worte Rao und Kult. Ilayda hätte Amin vorgezogen und versuchte es auch zuerst bei ihm, nachdem sie Mathida im Heilerhaus des Juwels abgelegt und notdürftig nach ihrem besten Wissen versorgt hatte. Erfolglos war sie zurückgekehrt. Am liebsten hätte sie Mathilda auf den Teppich gesetzt und wäre mit ihr nach Dengra geflogen. Statt dessen schleppte sie die Frau zum Hafen und betrat das erst beste Schiff in Richtung Dengra.
In der Bank hinterließ sie eine mündliche Nachricht an Rao, das er zu Johanns Haus kommen solle. Kein Bitte, keine Angabe von Gründen oder grüßende Worte. Kurz und knapp.
Den Schlüssel zum Haus fischte sie aus Mathildas Tasche, sperrte die Tür auf und brachte die Dengranerin hinauf. Wie lange sie an ihrem Bett saß und mit ihr sprach, ihre bestes tat, damit Mathilda nicht einschlief, wusste sie nicht. Es war lange, doch schließlich erklang das erlösende Klopfen an der Tür. Rao tat überrascht, dass Mathilda noch leben würde.
Die Art der Heilung, der sie an diesem Abend beiwohnen sollte, war nichts wovon sie Mathilda genauer berichten wollen würde. Die wenigsten Menschen, die nicht mehr über Rao wussten, hätten es gutgeheißen, geschweige denn nach einer detailgenauen Beschreibung dessen was geschehen war ruhig schlafen können.

Wie schlimm es tatsächlich um Mathilda gestanden hatte, erfuhr sie einige Tage später durch Johann. Am Ende war sie wohl eine Lebensretterin. Es war das Richtige gewesen, in mehrfacher Hinsicht und vermutlich hätte sie bei jedem anderen ebenso gehandelt. Es war immer gut, wenn jemand einem teilweise sein Leben verdankte, auch wenn man nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.
Kapitel 19: Magie und Frust

„Rao wird zwar sicherlich irgendetwas unangenehmes fordern, aber an eurer Stelle würde ich alles dran setzen und nicht mit solchen Gedankengängen kommen."
Aelia, Anführerin des Bärenclans

Eigentlich hatte sie nur einige Kräuter für Amin im Nebelland suchen wollen und hatte es auch beinahe schon wieder verlassen, als Godric sich bemerkbar machte. Sie hatte von dem Druiden gehört und auch wenn sie ihm zuvor nie begegnet war, hatte sie ein gutes Gefühl dafür, wer dort vor ihr stand.
Größere Fehler schien sie während des Gesprächs nicht gemacht zu haben, denn sie durfte auch weiterhin das Nebelland betreten. Der Vergleich, mit welchem Godric sein Verhältnis zu Johann beschrieb, war interessant. Es war eine Sicht auf die Welt und die Dinge, wie sie ihr weitestgehend unbekannt und fremder vorkam als die Ansichten ihres eigenen Volkes.
Dennoch war es für sie eine interessante und lehrreiche Begegnung gewesen. Wenn es um Magiekundige ging, waren ihr eigentlich nur Rao näher bekannt, Taisenus hatte sie erst zwei mal getroffen und sich eigentlich nur ein einziges mal wirklich mit ihm unterhalten. Doch ihre letzte Unterhaltung mit Johann hatte ihre Neugierde geweckt. Angeblich würde Godric die Art wie Aelia kämpfte verändern und nun hatte sie die Gelegenheit zu fragen, wie. Statt eine Antwort zu geben, bot der Druide ihr an, gegen einen der Steppenorken anzutreten. Ilayda wusste aus ihrer Erfahrung mit Johann bereits, dass sie einen solchen Kampf nicht gewinnen konnte, doch Godric schien sich sicher zu sein, dass ihr nichts geschehen würde, wenn er dabei auf sie aufpassen würde.
Statt eines Orken waren es zwei, in die sie hinein liefen. Am Ende des Kampfes verstand Ilayda, weshalb es etwas grundlegend anderes war, als wenn sie Johann oder Delara begleitete.
Auch wenn Godric behauptete er hätte nur einmal während des Kampfes Magie gewirkt, war für die Kämpferin alles was er bewirkt hatte Magie. Um herauszufinden was Johann damit meinte das magische Waffen unterschiedlich wertvoll wären, würde sie erst mit Issam sprechen müssen.
Doch nicht nur magische Waffen hatten sie beschäftigt. Delara hatte mit ihr über magische Schmuckstücke gesprochen. Ilayda hatte es nicht unbedingt eilig damit in den Besitz selbiger zu gelangen, denn wenn die Kommandantin recht hatte, dann würde sie damit einen Preis auf sich festlegen. Eine Neuverhandlung wäre danach kaum mehr möglich.
Dennoch musste sie Leon aufsuchen, denn sie wollt neue Arm und Beinschienen aus Knochen. Die Teile würden zwar nur Geld kosten, aber trotzdem war es das erste mal für sie, dass sie wirklich in ihren eigenen Schutz investieren würde. Zyklopenknochen zu beschaffen war ihr alleine nicht möglich, aber Johann war zuversichtlich, dass sie diese gemeinsam durchaus beschaffen konnten. Es wäre zumindest in mehr als nur einer Hinsicht lohnend für sie.
Sie hatte nicht vor diese Rüstungsteile anschließend so bald wieder auszutauschen, weshalb Leon sie noch auf eine vielleicht einmalige Gelegenheit hinwies. Dafür würde sie allerdings mit Rao handeln müssen. Delara hatte ihr schon sehr früh gesagt, in welche Richtung der Preis gehen würde, den dieser verlangen würde. Aelia sagte ihr, dass sie an Ilaydas Stelle alles daran setzen würde, mit Rao darüber einig zu werden.
Die Südländerin war sich weniger unsicher, ob sie es wirklich wollte, als viel mehr wegen des Materials. Sie hatte die freie Wahl, aus welchen Knochen der Gegenstand bestehen sollte, wie Rao ihr mitteilte. Warum also nicht den Einsatz noch einmal erhöhen und etwas erschaffen lassen, was sie vermutlich niemals würde austauschen können? Johann bestätigte sie in ihrer Sicht darauf und riet ihr sich nur nicht zu übernehmen. Eine Gefahr, die wenn sie ehrlich mit sich selbst war, nicht nur in der Theorie bestand.
Ilaydas Leben hatte sich verändert. Über Magie oder magische Gegenstände hätte sie sich früher nie Gedanken gemacht. Alchemie war ihr ebenso fremd gewesen wie Riesen, Harpien, Dämonen oder Lindwürmer. Sie dachte sie würde Fortschritte machen, denn die Bewegungsabläufe, welche Johann ihr beigebracht hatte, fielen ihr inzwischen deutlich leichter. Sie traute sich diese nicht nur gegen Untote zu üben, sondern auch wenn sie die Räuber in der Wüste zurück schlug, oder einen einzelnen Bauern der Wüstenorken antraf.
Die neueste Übung jedoch hasste sie, wollte sie ihr doch einfach nicht in dem Maße gelingen, wie sie es sich erhofft hatte. Es war einfach einen Säbel in die eine oder andere Richtung kreisen zu lassen, auch wenn es nicht ganz so rund und gleichmäßig aussah, wie bei Johann, wurde die Bewegung mit den Tagen flüssiger.
Naturgemäß gelang es ihr mit der rechten Hand schneller als mit der linken, den Säbel in beide Richtungen kreisen zu lassen, doch dies war erst der erste von drei Schritten. Der zweite Schritt, den sie für sich herausgearbeitet hatte, war es beide Säbel zeitgleich in eine Richtung kreisen zu lassen. Es war noch nicht einmal der dritte Schritt und trotzdem begann sie sich bereits über sich selbst zu ärgern, wenn wie so oft der linke Arm schneller ermüdete als der Rechte, oder einer der Säbel später wieder fest in ihrer Hand lag als der andere.
Auch die Art die Säbel zu greifen, welche Johann ihr gezeigt hatte um diese überhaupt drehen zu können, forderte mehr Konzentration von ihr. War der Griff zu locker, konnte sie die Säbel nicht zurückziehen, griff sie im falschen Augenblick fest zu, kostete es sie mehr Kraft den Säbel festzuhalten.
Die Versuche den letzten Schritt zu machen und die Säbel entgegengesetzt kreisen zu lassen, ließen ihre Ärger schlussendlich in Frust umschlagen, denn in den ersten Tagen wollte es ihr erst gar nicht gelingen mehr als eine langsame Umdrehung beider Säbel zu vollführen, wobei sie mehr darauf achtete die schnellere und sicherere Bewegung zu verlangsamen als die langsamere zu beschleunigen.
Zwei Bewegungen zeitgleich, die dann auch noch entgegengesetzt ausgeführt werden sollten war nichts, was sich schnell erlernen ließ. Bis sie diese Technik beherrschen würde, würden noch einige frustrierende Tage oder Wochen des Trainings vergehen.
Ansonsten kannst du dich auch noch hiernach richten:
http://uo-elantharil.de/elantharil/elawiki/index.php/Todessystem

Solange du also nicht vorher schon deine komplette Lebensessenz verloren hast, kannst du den gewaltsamen Tod durch einen Spieler auch als solchen ausspielen. Die Magie der Götter schickt dich wieder zurück unter die Lebenden.

Gruß
PO Ila
Kapitel 18: Handel und Streit

„Es ist mir gleich, wie gut ihr mit ihr zurecht kommt, wenn sie die Wüste betritt, wird sie festgenommen, wenn sie Dinge der Wüste besitzt, wird sie festgenommen.“
Delara bint Era, Kommandantin des Juwels

Es war bereits später Abend als Ilayda auf dem Teppich in Richtungi Kaiserstadt flog. Die mit Gold legierte Gleve hatte sie bereits vorher hierher schicken lassen und ließ sie sich nun bringen, da sie Johann im Zunftgebäude antraf. Sie wartete ab, bis Johann sein Gespräch mit Ewalt beendet hatte. Sie kannte die Waren des Schneiders bereits, das er sich jedoch auch darauf verstand mit Leder zu arbeiten war ihr neu. Möglicherweise konnte er ihr Rüstungen zumindest reparieren, ohne dass sie diese zuerst an Aelia übergeben musste, oder zumindest Umhänge aus Leder anfertigen, denn ihr Letzter war vor einigen Tagen zerrissen und Ersatz hatte sie noch nicht beschaffen können.
Mit Leder ließe sich wohl einiges an Silber verdienen, denn Leder war selten, wie sie dem Gespräch zwischen Johann und Ewalt entnahm. Johann wies den Schneider sogar darauf hin, dass Ilayda ihm vermutlich auch Leder besorgen könnte, wenn sie sich auf einen Handel einigen würden.
Eigentlich war sie eher zurückhaltend und still geblieben, doch als sie erfuhr, dass die gesuchte Verbrecherin Ravena eine Rüstung aus Ophidianhäuten besaß und Ewalt versuchte diese zu beschaffen, um Reparaturen durchzuführen, musste sie etwas sagen. Sie wusste nicht ob Johann diese Häute herausgegeben hätte, aber auch der Ritter sollte wissen, wie Delara und damit auch Ilayda diese Sache sahen.
Die Häute der Schlangenmenschen gehörten zu den Dingen, welche in die Wüste gehören. Ilayda war es gleich, wie Ravena an diese Rüstung gelangt war. Die Kommandantin hatte ihr gesagt sie solle alles, was aus der Wüste stammt von Ravena einfordern und sie würde diese Forderung aussprechen, vollkommen gleich ob Johann dabei stand oder nicht.
Ein Recht die Rüstung an sich zu nehmen, oder die Möglichkeit die Herausgabe bei einer Weigerung Ravenas zu erzwingen hatte sie nicht, aber darum ging es Ilayda auch nicht.
Johann wollte darüber mit Delara reden, wie es sich mit dem Leder der Schlangenmenschen nun verhielt, denn eine solche Regel war ihm bislang wohl unbekannt. Auch Aelia besaß eine Rüstung aus diesem Leder, was Ilayda recht gleich war. Ihre Aufgabe bestand darin die Forderung gegenüber Ravena auszusprechen. Aelia war keine einfache Kriegerin, sondern eine Anführerin im Norden. Wenn Delara von ihr etwas einfordern wollen würde, dann sicherlich nicht über die unerfahrene Südländerin.
Einige Tage später würde sie genau diese Forderung Ravena gegenüber aussprechen und damit einen Streit über Rüstungen vom Zaun brechen. Zu ihrem Glück war nicht nur sie zu diesem Zeitpunkt im Zunfthaus anwesend, sondern auch Aelia und Ewalt. Letzterer stellte sich, wie Ilayda es nicht anders erwartet hatte auf die Seite von Ravena und warf ihr gemeinsam mit dieser noch einen Gesetzesbruch vor, weil sie angeblich eine Rüstung in der Stadt trug. Dass die Südländerin ein weiteres mal mit dem Schneider handeln würde, hatte er sich an diesem Abend und dem darauffolgenden Tag durch seine Worte und Handeln unmöglich gemacht.
Zwei Dinge nahm Ilayda an diesem Abend für sich mit. Zum einen Lehren über verschiedene Metalle, aus denen man Waffen fertigen konnte. Vermutlich gab es noch weit mehr Metalle, denn Schattenstein hatte Johann nicht einmal erwähnt, doch Ilayda wusste nun zumindest welche Unterschiede das Metall ausmachen konnte.
Der Ritter riet ihr dazu die Waffen vorerst mit Silber legieren zu lassen und Xyrit erst zu verwenden, wenn sie schneller geworden war.
Das Zweite was sie mitnahm war, wie groß der Unterschied zwischen ihren eigenen Fähigkeiten und denen des Ritters war. Während sie sich an diesem Abend mit Mühe gegen einen einzelnen Minotauren behauptet hatte, hatte Johann in der selben Zeit mehrere Trolle und Minotauren auf sich gezogen und erschlagen und war danach weniger angeschlagen als sie. Ihr war bewusst, dass es nie ihre Aufgabe sein würde, derart viele Gegner auf sich zu ziehen, doch das Johann sie dennoch schneller erschlagen hatte, als sie es bei einem einzelnen geschafft hatte, machte ihr deutlich, wie viel sie noch zu lernen hatte.
Während Johann in die Kaiserstadt zurück kehrte, machte Ilayda sich auf ins Juwel. Auch wenn sie nur eine Nacht fort war, wartete hier noch immer eine Aufgabe auf sie. Maharib hatte Issam getroffen. Er kannte seine Aufgabe und sie glaubte nicht, dass der Krieger sie alleine bewältigen konnte. Delara hatte gesagt er sei kaiserlicher als Ilayda. Wie recht sie damit hatte, wurde Ilayda erst einige Gespräche später bewusst.
Ilayda gab sich Mühe sich anzupassen. Sie war ein Kind, stellte sich manchmal ungeschickt an und nahm Dinge zu wörtlich. Sie konnte sich vorstellen, dass diejenigen, welche ihre Schritte beobachteten, sich dabei amüsierten. Aber auf diese Weise würden sie ihres Spielzeugs zumindest nicht überdrüssig, also nahm sie es hin.
Maharib hingegen gab sich keine Mühe damit sich anzupassen. Ilayda hatte vieles getan um ihm zu helfen. Sie war sogar einen Handel mit ihm eingegangen, der den Krieger davor schützte sich selbst mit den Wüstenorken anzulegen. Sie hatte ihn kämpfen gesehen und nach allem was sie gesehen hatte, war es ungefährlicher für sie die zehn Häute alleine zu besorgen und sie ihm zu übergeben, als darauf zu warten, dass er sie aufforderte ihn dorthin zu führen um mit ihm gemeinsam die Häute zu beschaffen.
Am Ende war es nicht Maharib, der die von Issam gestellte Aufgabe erfüllte, sondern es war Ilayda, aber das sollte nie jemand erfahren. Vor allem sollte Delara es nicht erfahren. Der Krieger würde kein Wort darüber verlieren. Wenn jemand fragen sollte, würde er sagen, dass er die Bauern der Orken in der Wüste gesucht hätte. Irgendwann einmal, würde Ilayda dafür von ihm verlangen etwas anderes für sie zu besorgen. Ein einfacher Handel und wenn er vorher sterben würde, bevor er seinen Teil erfüllt hatte, dann wäre es kein großer Verlust für sie, denn wenn Delara oder Issam danach gefragt hätten, würde sie ihnen ihre Wüstenorkhäute ohne weiteres aushändigen.
Doch auch sie selbst war inzwischen ein weiteres mal Teil eines Handels geworden. Zumindest hatte sie dieses mal eine Wahl gehabt. Doch zittrig und schwach durchs Juwel zu laufen um an eine Reise anzutreten war eine Blöße, welche sie sich nicht mehr geben wollte. Es war ihr eigener Stolz, der sie dazu trieb diesen Handeln einzugehen. Etwas was sie früher wohl kaum getan hätte, denn Stolz oder Ehre waren Dinge, die sie in ihrem bisherigen Leben nicht hatte.
Wieder ließ Ilayda eine Nachricht an Issam von Faisal verfassen, die sie anschließend ins Serai brachte und an die Tür des Lagers heftete.

~~~

Shalea Meister Issam,

ich sprach mit der Alchemistin aus dem Norden und entnahm, wie erlaubt, 30 Klumpen Zinnerz, einen Silberbarren, zehn Xyritbarren und zwei Kupferbarren aus dem Lager um den Handel zu ermöglichen. Sie ist an Euren Preisen für Barren interessiert.

Außerdem sprach ich mit einer Köchin aus dem Kaiserreich. Sie würde eine größere Menge von etwa 1000 Portionen Salz von euch erwerben.

Die Waffe wurde an Johann übergeben. Die Drachmen überreiche ich Euch oder Delara.

Shatten und Wasser
Ilayda
Kapitel 17: Vom Wind getrieben

„Wenn ihr ein Lagerfeuer macht und die Flammen beobachtet, erkennt ihr, dass sie keine Gewohnheiten entwickeln, sondern ihre Bewegungen unvorhersehbar sind.“
Issam, Schmied der Säbeltänzer

Die dunkelsten Stunden der Nacht waren bereits vergangen, als Ilayda ihr Zimmer verließ, doch bis zum Sonnenaufgang würde noch einige Zeit vergehen. Von der Esse unter dem Turm erklangen die Geräusche harter Arbeit an ihr Ohr.
Sie entzündete die Kerze am anderen Ende des Teppichs und füllte eines der Gläser mit Tee, als Issam sich näherte. Sie bot ihm einen Tee an, wie sie es bereits mehrere Male bei Delara beobachtet hatte, wenn sie selbst sich zu ihr gesellte. Issam wollte zuvor noch etwas erledigen und so bereitete Ilayda alles für seine Rückkehr vor. Sie goss den Tee ein, als Issam das Serai wieder betrat und reichte ihm diesen an, nachdem er sich auf einem der Kissen niedergelassen hatte.
Ihr war es, seit Delara ihr das Zimmer zugewiesen hatte gut ergangen. Das Serai war zu einem Ort geworden, an den sie immer hoffte zurückzukehren, wenn sie das Juwel verließ. Vielleicht sogar so etwas wie eine Heimat, auch wenn sie sich der Tatsache nur all zu bewusst war, dass sie nicht ewig mit der Kommandantin und Issam unter einem Dach leben konnte.
Gespräche mit Issam waren für Ilayda bislang immer lehrreich gewesen, wenn es darum ging mehr über ihr Volk, dass ihr manchmal so fremd vorkam, zu erfahren. Sie würde eine weitere Aufgabe übernehmen, da sie nun regelmäßiger mit Johann zu tun hatte.
Eine Waffe überreichen, die vereinbarte Summe an Münzen entgegen nehmen und diese wieder zurück ins Juwel bringen, sollten sich die Wege des Schmiedes und des Ritters nicht vorher wieder kreuzen. Eine einfache Aufgabe an und für sich, doch keine die in der Welt, welche Ilayda bislang kannte, jemals jemandem überlassen worden wäre, gegen den man nichts in der Hand hatte um sich seiner Loyalität sicher zu sein. Der Wert der Waffe war vermutlich höher als Alles was Ilayda ihr Eigen nennen konnte zusammengenommen.
Das die Waffe mit Gold legiert werden sollte, erwies sich für Ilayda zumindest als Glückfall, denn so erfuhr sie mehr darüber was sie vermeiden sollte. Tharn hatte sein Eigentum gern in goldenem Geschmeide gesehen, etwas das in der Wüste nicht gern gesehen war. Gold könnte den bösen Blick provozieren, wie Issam ihr erklärte. Wenn die Legierung jedoch einen Nutzen hat, wäre ein praktischer Grund gegeben um Waffen mit Gold zu legieren. Johann würde wohl versuchen dies herauszufinden und Ilayda ging davon aus, dass dieses Wissen mit Issam geteilt werden würde als Teil des Handels.
Das Gold verpönt war, lag daran das es Neid hervorrufen konnte, eine Regung, welche die bösen Geister anlocken konnte, erklärte ihr der Schmied. Goldschmuck war deshalb in der Wüste nicht gern gesehen. Silberschmuck wäre aus der Sicht der Ahnen das richtige Metall für Schmuck. Eine Ansicht, die sich wohl aus Issams Umgang mit den Schamanen ableitete. Elementaristen würden laut ihm eher das Metall nennen, welches ihrem Geburtselement entsprechen würde. Als Trägerin der Zeichen des Feuers wäre dies Xyrit.
Falls Ilayda jemals Kontakt zu einem Schamanen gehabt hatte, so war diese Erinnerung in den Jahren ebenso verblasst, wie jene an ihr Leben bevor sie verkauft worden war. Doch die Nähe zum Feuer war ihr über all die Jahre erhalten geblieben.
Über die Tätowierungen wusste sie insgesamt nur wenig. Die Zeichen waren eine Art Schlüssel um die Blume betreten zu können, sie konnten genommen werden, doch was genau dafür geschehen musste und welcher Verbrechen man sich schuldig machen musste war ihr nicht bekannt und sie hingen mit der Jahreszeit zusammen in der man geboren wurde. Den Hintergrund erklärte ihr Issam. Auch wenn Ilayda das ganze Ausmaß dessen kaum erfassen konnte, ergaben die Erklärungen Sinn.
Alles war in Bewegung, die verschiedenen Welten von denen ihr Delara erzählt hatte, sowie jene eine Welt, welche die junge Südländerin nie verlassen hatte. Als Ilayda geboren wurde, war die Welt des Feuers, dieser Welt am nächsten gewesen und ein Elementarist hatte sie durch das Zeichen an jene gebunden. Die Elemente beeinflussten sie und jeden anderen des Volkes auf eine meist unbewusste Weise, die sich jedoch in vielen Dingen zeigte, so man darauf achtete.
Bevor Issam aufbrach um die kühleren Morgenstunden in der Mine zu verbringen, gab Ilayda noch zwei Waffen bei ihm in Auftrag, um Erfahrungen machen zu können, wie sie ihr der Berdisch bereits ohne Anleitung ermöglicht hatte. Sie war neugierig, doch ihre Ausbildung bei Johann würde sie deshalb nicht in eine andere Richtung lenken wollen und wenn sie einmal einem Gegner mit einer solchen Waffe gegenüberstand, würden ihr ihre eigenen Erfahrungen wohl eher helfen als schaden.
Die Palme welche Ilayda sich als Ziel ihrer Übungen ausgesucht hatte stand hinter dem Serai. Sie hatte die Bewegungen, welche ihr zur Übung aufgetragen wurden ohne einen Schlag gegen einen Baum zu führen ausgeführt, um ein Gefühl dafür zu bekommen und sich nun auf das Schneiden konzentrieren zu können, wenn die Klinge in die Rinde und das darunterliegende Holz eindrang.
Immer wieder blieben die Klingen in dem Stamm der Palme stecken, vor allem, wenn sie ihr Handgelenk etwas verdrehte und dabei die Klinge in der Scharte verkantete, oder der Hieb zu tief in das Holz eindrang. Die Klingen nahmen während der Übungen ebenso Schaden, wie die Palme. Vielleicht sollte sie Issam nach ein paar Säbeln aus einem günstigeren Metall fragen, die sie für diese Übung verwenden konnte.
Links und rechts des Stammes lagen Holzsplitter im Sand. Die Streuung ihrer Hiebe war groß, als Ilayda endete, hatte sie eine Fläche von mindestens vier Handlängen an beiden Seiten des Baumes mit Kerben und Scharten versehen. Issams Worte bezügliche des Feuers kamen ihr wieder in den Sinn, während sie da stand und ihr Atem langsam ruhiger wurde. Unvorhersehbar waren die Stellen, die sie an dem Baum getroffen hatte, allerdings empfand sie dies als keinesfalls positiv.
Sie selbst sollte sehr wohl wissen wo ihr Hieb einen Gegner traf, doch für diesen sollte sie sein wie das züngeln der Flammen. Unberechenbar.
Gemeinsam mit Johann erschien Delara im Serai, als Ilayda gerade dabei war ihre Klingen vom Harz der Palme zu reinigen. Dass Delara nicht unbedingt viel Geduld hatte, war der Jüngeren bereits bewusst gewesen. Was dies in Bezug auf Aufgaben bedeutete, die mit einem „wenn“ erteilt wurden, machte die Kommandantin ihr durch einen einzigen Kommentar deutlich, der für Außenstehende wohl kaum mehr als eine allgemeine Feststellung gewesen wäre.
In diesem Fall, ließ sich die Aufgabe Nahrungsmittel zu beschaffen, wenn Johann die Südländerin in die Kaiserstadt mitnahm, anders deuten. Besorgt umgehend Nahrungsmittel, gleich ob ihr Johann in die Kaiserstadt begleitet oder alleine dorthin geht.
Der Wind blies und gab damit die Richtung vor, in welche das Feuer sich beugen musste.
Kapitel 16: Not macht erfinderisch

„Euer Heiler hat angeblich den Jungbrunnen entdeckt.“
Gerücht über Amin al-Farabi

Scharf zog die junge Südländerin die Luft ein, während sie Huseins Anweisungen folgte und die Hände in der Wasserschüssel wusch um die Wunden an ihren Fingerknöcheln zu reinigen. Das zuvor klare Wasser nahm um ihre Hände herum eine blass rötliche Farbe an.
Die Haut war nur oberflächlich verletzt worden. Es würde verschorfen, schmerzen, wenn sie nach etwas griff, oder es festhalten wollte, aber wenn sie die Wunden richtig reinigte, die Salbe auftrug und mit einem Verband verhinderte, dass Dreck hinein geriet, sollte alles verheilen.
Wie es zu solchen Verletzungen kommen konnte, hatte sie dem Heiler erklärt. Das Handgelenk ihrer Rechten schmerzte und sollte in den nächsten Tagen besser nicht belastet werden. Vor allem sollte sie verhindern, damit erneut auf einen Baum zu hauen, wenn sie nicht riskieren wollte die Hand für eine lange Zeit nicht mehr verwenden zu können.
Aelia hatte ihr von dem Gerücht erzählt, dass Amin den Jungbrunnen entdeckt hätte. Er würde wohl deutlich mehr für sie tun können als Husain, aber als sie vor seinem Zelt stand, war er nicht anzutreffen, also blieb Ilayda nichts anderes übrig, als sich auf den Heiler des Juwels zu verlassen.
Das Gute war, dass sie nun aus der Not auch eine Tugend machen konnte. Die Verletzung zwang sie dazu in den nächsten Tagen jede Handlung mit der linken Hand auszuführen, selbst wenn sie die Rechte nicht mit der Schärpe auf ihren Rücken band.
Ilayda nahm den Tiegel mit der Salbe an sich, nachdem Husein ihre Hände verbunden hatte, verneigte sich von ihm und kehrte ins Serai zurück. Nicht üben zu können, bedeutete keine Fortschritte zu machen und diese auch nicht vorzeigen zu können. Eine schmerzende Hand würde weder Johann noch Delara gelten lassen.
Sie würden es als das entlarven, was es war. Eine Ausrede, vorgeschoben um weitere Schmerzen zu vermeiden. Und zumindest dabei glaubte Ilayda, dass Amayas Worte, wenn auch dazu gedacht sie zu reizen, einen Funken Wahrheit enthielten. Würde sie mit derartigen Schmerzen zu Johann gehen, würde er ihr beibringen was es bedeutete Schmerzen erdulden zu müssen.
Einige Tage auf die Liegestütz zu verzichten würde kaum ins Gewicht fallen, diese brachte sie inzwischen recht schnell hinter sich. Da die Hauptlast des Berdisch ohnehin in ihrer linken Hand lag, konnte sie auch diese Übung durchführen. Die Klimmzüge, welche sie noch immer versuchte, jedoch noch keine zehn in Folge schaffte, waren nicht möglich, wenn sie sich nicht richtig am Ast festhalten konnte.
Den Stab in die entgegengesetzte Richtung zu drehen konnte sie zwar nicht weiter üben, doch die Bewegung war ihr vertraut genug. Sie hatte die Schnüre vor einigen Tagen entfernt und den Stab dennoch ohne immer wieder auf dem Boden aufzuschlagen rotieren lassen, sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung. Wie Johann es beschrieben hatte, war die Idee die selbe, sie musste ein wenig umdenken, doch nachdem die anfänglichen Schwierigkeiten überwunden waren, konnte auch Ilayda die Fortschritte feststellen. Sobald sie wieder richtig zugreifen konnte, würde sie auch diese Übungen wieder aufnehmen.
Was sie jedoch auf keinen Fall unterbrechen sollte, war die Übung, bei welcher sie sich selbst verletzt hatte. Nicht wenn sie die Fortschritte machen wollte, von denen sie das Gefühl hatte, dass sie erwartet werden würden. Denn wenn sie sich mit dieser Übung sicher fühlte, wartete noch immer eine weitere mit den Säbeln.
Ilayda musste gestehen, dass sie den zweiten Säbel, seit ihr Training begonnen hatte, noch nicht einmal in die Hand genommen zu haben. Ob sie die Waffe wirklich in ihrer linken Hand halten konnte, ohne das ihr Arm bereits nach kurzem zu zittern begann und die Festigkeit ihres Griffes nachließ, würde sich erst dann wirklich zeigen, doch jetzt konnte sie nicht einmal mit ihrer Rechten einen Säbel halten, wodurch die Übung als solche nicht durchführbar war.
Husain hatte gesagt sie sollte mindestens vier Tage warten, ehe sie die rechte Hand wieder stärker belastete. Vier Tage ohne zu üben waren bis zu ihrem nächsten Aufeinandertreffen mit Johann sicherlich nicht wieder aufzuholen. Sie musste also irgendetwas machen, ohne das sie ihrer Hand weiteren Schaden zufügte und dennoch die Bewegungsabläufe durch ständige Wiederholung festigte.
Am morgen entfernte sie die Badagen, wusch die Reste der Salbe von ihren Händen, trug neue Salbe auf und verband ihre Hände erneut. Sie hatte schon nachdem Johann ihr die Übung erklärt hatte darüber nachgedacht wie sie Verletzungen ihrer Hände verhindern konnte. Eine dieser Ideen versuchte sie nun an diesem Morgen.
Vollkommen ruhig hing ihr Baumwollumhang im Türrahmen. Die Tür hatte sie geöffnet und sich so aufgestellt, wie sie auch vor dem Baum gestanden hätte. Schnellere Bewegungen der Hand schmerzten, wenn sie diese nicht steif hielt, aber sie musste es aushalten.
Der Umhang sollte sich bewegen, wenn sie ihn mit ihren Händen berührte. Dann hatte sie wieder den selben Fehler gemacht, wie zuvor am Baum. Sobald sie ohne Schmerzen wieder zugreifen konnte, würde sie jedoch erneut vor den Baum treten müssen. Bekannterweise war Schmerz noch immer einer der schnellsten Lehrmeister.
So verbrachte Ilayda die kommenden Tage mehr in ihrem Zimmer, als sie es gewohnt war. Jedes mal wenn der Umhang sich bewegte hielt sie in den Schlagbewegungen inne, wartete bis die Bewegung sich gelegt hatte und begann von neuem. Die Geschwindigkeit ihrer Schläge steigerte sie langsam. Der erste Schlag endete kurz vor dem Stoff, wenn sie den Arm zurück zog, schnellte der andere an diesem vorbei nach vorn. Ein ständiger Wechsel, unterbrochen nur dann, wenn sie den Umhang berührte.
Am Abend zog sie sich in das Badehaus zurück, ließ ihre Verbände von Husain wechseln und verbrachte den restlichen Abend mit einem Tee in ihrer Hand am Brunnen des Juwels. Aus welchem Grund es sie dorthin zog, wusste wohl nur eine andere Person.
Kapitel 16: Mitspieler und Schmerz

„Ihr wisst, dass es mindestens drei Personen gibt, mit denen ich sehr engen Kontakt pflege, die aus anderer Hand über euch wissen wollen.“
Amaya, Kammerdienerin des Ritters vom dunklen Arm

Der in ihr angestaute Ärger war auch am nächsten morgen noch immer nicht ganz verflogen. Die halbe Nacht hatte sie wachgelegen, an das geschehene Gedacht. Ihre Fingernägel hatten tiefe Spuren in ihren Handballen hinterlassen.
Die Sonne würde erst in einigen Stunden aufgehen, doch Ilayda wusste, dass es keinen Sinn haben würde zu versuchen zu schlafen. Sie musste irgendetwas tun. Auf etwas einschlagen oder zerstören, etwas tun um das Getöse in ihrem Kopf verstummen zu lassen.
Dass die junge Südländerin allein in die Wüste aufbrach war inzwischen keine Seltenheit mehr. Sie war jedes mal zurückgekehrt bevor es zu heiß wurde. Sie wusste genau wohin sie ihre Schritte lenken musste. Der Wüstenorken hatte kaum Zeit zu reagieren, als die schwere Waffe auf ihn niederfuhr. Vor einiger Zeit noch war es ein Kampf gewesen, den sie nicht in tiefster Nacht gesucht hätte, doch jetzt war es genau das was sie brauchte. Als der Körper des Bauern in den Wüstensand fiel, landete der Bardisch neben ihm. Es war zu schnell vorbei um all ihre Wut verrauchen zu lassen. Sie kniete neben der noch warmen Leiche und begann mit ihren Fäusten auf den Körper des Orken einzuprügeln, bis ihre Kräfte nachließen und sie erschöpft in den Sand fiel.
Ihr Atem beruhigte sich nur langsam, die Wut war noch immer nicht vollkommen verflogen, doch es war an der Zeit aufzubrechen. Mit dem Messer zog sie die Haut des Orken, der das Pech hatte Ziel des Ausbruchs ihrer Wut zu werden. Es wäre Verschwendung gewesen die Haut zurückzulassen und ein Gerber könnte sicherlich die Spuren des Blutes entfernen.
Deutlich ruhiger trat sie den Rückweg an. Niemand sprach sie auf ihrem Weg zum Serai an. Sie hatte gerade die Tür zu ihrem Zimmer geschlossen, als sie hörte, wie sich das schwere Gittertor am Eingang zum Hof erneut öffnete und schloss. Sie lauschte einige Augenblick, doch keine Schritte auf dem Sand waren zu vernehmen. Die abgezogene Haut warf sie einfach auf den Boden und verließ ihr Zimmer wie sie gekommen war.
Am Tor stand eine Gestalt, eingehüllt in weite Kleider, doch in der Nacht kaum mehr als ein Schemen. Als Amaya sich zu erkennen gab, war Ilayda froh, dass sie sich abreagiert und den größten Teil ihrer Kräfte aufgebraucht hatte. Ein falsches Wort und sie hätte vor wenigen Stunden wohl nicht gezögert, wenn diese Frau hier vor ihr erschienen wäre.
Amaya hatte sie reizen wollen. Sie hatte sehen wollen wie Ilayda reagieren würde. Die Südländerin hatte den Fehler nicht machen wollen, den sie nach Amayas Ansicht hätte machen sollen um zu zeigen, dass sie sich durchsetzen konnte. Die Kammerdienerin des Ritters hatte genau gewusst, was sie tat und es aus gutem Grund getan. Ilayda wusste, dass sie nun eine Entschuldigung einfordern musste. Nicht, weil die andere sie beleidigt hatte, sondern weil sie ihre Würde verletzt hatte. Wie sie reagieren sollte, wenn Amaya sich geweigert hätte, wusste sie zwar noch immer nicht, doch zu ihrem Glück trat dieser Fall nicht ein.
Ilayda hatte Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nicht unbedingt das beste in der Situation, in der sie sich befand. Mindestens drei Personen mit denen Amaya sich regelmäßig umgab, wollten auch aus anderer Hand etwas über die Verborgene wissen. Namen wurden keine genannt, doch inzwischen hatte Ilayda ein recht gutes Gefühl, was das für sie bedeutete. Fluch und Segen gleichermaßen. Alles was sie tat würde beobachtet werden und an das eine oder andere Ohr getragen werden.
Am Ende war es gut sich mit der Kammerdienerin Johanns unterhalten zu haben, auch wenn sie ihr noch immer nicht vollkommen vergeben hatte. In der Welt in welcher sie gelebt hatte, war eine Entschuldigung nie ein Grund gewesen keinen weiteren Groll gegen jemanden zu hegen, wenn auch nicht unbedingt offen wie zuvor.
Die Kaiserstadt war mehr Schein als Sein und die Kleidervorschläge, welche Amaya ihr machte, hatte sie selbst bereits in Teilen in Auftrag gegeben. Rüstungen waren das eine, Kleidung jedoch würde sie zuvor einmal sehen müssen um eine Entscheidung zu treffen. Entweder würde sie also wirklich in nicht all zu ferner Zukunft einmal in den Norden reisen, oder sie würde zu dem Kaiserlichen gehen müssen, der einen so sprunghaften und verwirrten Eindruck bei ihr hinterlassen hatte. Eine andere Alternative konnte ihr Amaya auch nicht nennen.
Die Kammerdienerin verließ sie und hinterließ ihr viele Dinge über die sie nachdenken sollte und auf die sie in der Zukunft achten musste.
Johann hatte ihr Übungen aufgetragen, die sie gewissenhaft erfüllte. Ilayda war zwar nicht vollkommen zufrieden mit ihrer eigenen Leistung, denn sie hatte Hilfsmittel verwendet, die Johann weder erwähnt hatte, noch war sie sicher, ob er diese überhaupt gestatten würde. Doch gerade die Schnüre an dem Kampfstab halfen ihr dabei den Stab so zu bewegen, wie er es vorgesehen hatte. In der nächsten Zeit würde sie versuchen die Schnüre zu entfernen und den Stab anders herum zu drehen. Das bereitet ihr weit weniger Kopfzerbrechen, als das was der Ritter ihr ansonsten aufgetragen hatte.
Delara hatte dem Unterricht beigewohnt. Größtenteils Erklärungen, wie die Kommandantin anmerkte. Ihr wäre es wohl lieber gewesen zuzusehen wie Johann die Jüngere vor einem Säbel hertrieb als den Erklärungen zuzuhören, die für Ilayda zwar wichtig waren, die weit Erfahrenere aber nur langweilen dürften.
Ilayda sollte etwas durchbrechen, was laut Johann jeder intuitiv machen würde. Es kam daher, dass die meisten nur eine Waffe führten und einen Schild verwendeten. Der Schild war immer zwischen ihnen und dem Gegner und diente lediglich der Verteidigung. Etwas das man unweigerlich auch übernehmen würde, wenn man statt des Schildes eine zweite Waffe führte.
Ilayda hatte keinen Grund seine Einschätzung in zweifel zu ziehen. Die Position, die Johann eingenommen hatte, war ihr bekannt. Sie hatte diese sowohl bei Maharib, als auch bei Jena gesehen und beide schätzte sie als deutlich unerfahrener ein als Johann. Vielleicht war es sogar von Vorteil für sie, dass sie selbst nie einen Schild in der Hand gehalten hatte und es würde ihr dadurch leichter fallen, diese intuitive Haltung aufzugeben.
Wenn sie alle Übungen gleichermaßen fortsetzte, auch wenn die ersten beiden inzwischen nicht mehr so anstrengend waren wie noch zu Anfang und sie hatte noch immer nicht einen Klimmzug geschafft, würde die Zeit, die sie abseits des Trainings verbrachte immer kürzer werden, doch dass sie keine Zeit mehr haben würde, war nichts was sie beschäftigte, als sie am nächsten Morgen aufstand.
Die Schläge, die sie während des Trainings mit dem Stab abbekommen hatte, waren nichts gegen die Verletzungen, die sie sich wohl heute zufügen würde. Sie hatte überlegt ob eine aufgespannte Lederhaut nicht einen ähnlichen Effekt hätte, wie mit der Faust auf einen Baumstamm zu hauen. Zumindest würde sie sich nicht verletzen, allerdings war es wohl vorgesehen, dass sie genau dies tat. Der Baum gab nicht nach, verzieh also keinen Fehler wenn sie die Schulter verwendete und damit Kraft in den Hieb steckte. Doch der Sinn war nicht kräftig zuzuschlagen, sondern schnell.
Eine Zeit wurde nicht genannt, sie würde selbst darauf achten müssen es nicht zu übertreiben.
Zumindest für die erste Übung bot sich die Dattelpalme vor dem Serai an. Für die zweite würde sie Delara fragen welchen Baum sie verwenden durfte, denn mit den Säbeln würde dieser unweigerlich Schaden nehmen, wo ihre Fäuste nicht auszurichten vermochten.
Sie begann langsam, die Bewegung zu kontrollieren stellte keine Schwierigkeit dar, wenn sie jederzeit stoppen konnte, sobald sie den Stamm der Dattelpalme an ihren Fingerknöcheln spürte. Sie zögerte, bevor sie schneller wurde, denn ihre Augen bestätigten ihr nur, was sie dank des feuchten Gefühls an ihren Fingerknöcheln bereits erahnt hatte.
Dort wo sie hinschlug, hinterließ sie Spuren. Johann meinte zwar man würde eher an ihren Fingern spuren sehen als an dem Baum, es stellte sich heraus, dass nicht nur der Baum an ihr, sondern auch sie an dem Baum spuren hinterließ, wenn auch keine die mit dem nächsten Regen nicht verschwinden würden.
Sie hatte kaum begonnen und hätte am liebsten bereits wieder aufgehört. Andererseits war dies vermutlich nichts gegen die Schmerzen, die ein Messer in ihren Eingeweiden hinterlassen würde. Ilayda biss sich auf die Unterlippen, stieß die Luft durch ihre Nase aus, kniff die Augen zusammen. Die Tränen fielen neben dem Schweiß, der ihr übers Gesicht lief kaum auf. Weitermachen, den Schmerz vergessen. Sie hatte sich immer noch zurückgehalten. Sie konnte ihre Arme schneller bewegen auch wenn es Überwindung kostete.
Das nächste, was im Serai zu hören war, war der Schmerzschrei den sie ausstieß, als sie den Fehler machte mit der Schulter nachzugehen. Die Faust schlug mit Geschwindigkeit auf den Stamm. Der Schlag hätte wohl erst ein paar Finger breit hinter der Rinde gestoppt.
Kapitel 15: Würde

„Der Begriff der Würde ist ansonsten als zentral zu verstehen.“
Issam, Schmied der Säbeltänzer

Der Teppich hob ab und trug sie davon. Der Geruch des Sumpfes hing noch einige Zeit in ihrer Nase. Normalerweise genoss sie den Flug zurück ins Juwel, doch im Augenblick bekam sie davon nicht viel mit. Es hatte nicht viel gefehlt und sie hätte etwas unglaublich dummes getan.
Sie wusste nicht auf wen sie im Augenblick wütender war. Sich selbst, weil sie sich wie so oft ungeschickt ausgedrückt und nicht gewehrt hatte, Aelia die sich einen Spaß daraus gemacht hatte sie auf diese weise vorzuführen, oder Amaya, eine Frau die sie nicht kannte, die jedoch mit Freude die Sticheleien aufgriff und fortführte.
Wäre Amaya nicht dort gewesen, hätte es ihr wohl weniger ausgemacht. Aelia wusste genau weshalb sie ihre Aussagen so formuliert hatte. Die Doppeldeutigkeiten waren eindeutig, allerdings hoffte Ilayda, dass sie zumindest für klug genug gehalten wurde ihr bekannte Fehler anderer nicht zu wiederholen. Es war ein Spaß auf ihre Kosten, den sie nicht gut finden musste, aber mit dem sie umgehen konnte.
Zumindest bis zu dem Zeitpunkt als Amaya sich ebenfalls einbrachte. Die Kammerdienerin war eine Unbekannte. Ilayda hatte sich nie länger mit ihr unterhalten, war meist verstummt, wenn die Kaiserliche hinzugekommen war und hatte sich kurz darauf verabschiedet. Sie kannte Amaya nicht und so klangen ihre Worte eher wie Spott und Beleidigungen in ihren Ohren, auch wenn sie nur in das selbe Horn stieß wie Aelia.
Es waren zwei unterschiedliche Stiefelpaare für Ilayda und sie wusste nicht genau wie sie am besten darauf reagieren sollte. Sie verband nicht viel mit der Würde, von welcher Issam gesprochen hatte und die man im jedem Fall wahren sollte. Sowohl die eigene, als auch die der anderen. Die Andeutungen Amayas zielten in die selbe Richtung wie Aelias und legten darüber hinaus nahe, das Ilayda sich bereits öfter in derartigen Situationen befunden hätte.
Die aufkommende Wut hatte sie so weit es ging in sich hinein gefressen. Von Delara und Issam hatte sie gelernt, dass es nur zwei Situationen gab, in denen man jemanden direkt ansehen sollte. Es war schwer für sie gewesen dies am Anfang umzusetzen, war sie doch anderes gewohnt. Dass ihr Blick jedoch fest auf die Kapuze und das wenige von Amayas Gesicht gerichtet war, hatte einen dieser beiden Gründe.
Aelia sagte zwar Ilayda solle es als Spaß auf ihre Kosten akzeptieren, doch dafür war es bereits zu spät. In den Augen der Südländerin hatte sie zwei Möglichkeiten auf einen weitere Stichelei angemessen zu reagieren. Sie könnte eine Entschuldigung einfordern, doch wie sie im Falle einer Weigerung reagieren sollte, war ihr nicht klar.
Die zweite Möglichkeit wäre alles in allem eine große Dummheit, wenn auch in ihren Augen gerechtfertigt. Da sie in Dengra jedoch keinerlei Rechte besaß, Aelia sie bereits vor Amaya gewarnt hatte und sie es sich nicht mit Johann verscherzen wollte entschied sie sich für die einzig andere Möglichkeit, die sie kannte.
Ein Angriff mit Waffen oder Worten wäre sinnlos, für eine Verteidigung mit selbigen war sie in ihrem Innern bereits zu aufgebracht, also war alles was blieb die Flucht. Eine Entschuldigung konnte sie noch immer an einem anderen Tag einfordern, wenn sie wusste wie sie im Falle einer Ablehnung reagieren sollte.
Kapitel 14: Spielstein

„Einfaches Spiel.“
Johann von Blum

Die Tage im Juwel waren wenig ereignisreich und hatten nur bedingt neues und für Ilayda nützliches hervorgebracht. Amin hatte ihr und Runa erklärt welchen Teil der Schlangenköpfe Ilayda in Zukunft lediglich aufheben musste und sie hatte erfahren welche Kräuter am ehesten für den Statthalter des Juwels von Nutzen waren.
Über einen guten Teil dessen was sie nun noch über hatte, würde sie sich mit Runa an einem anderen Tag handelseinig werden. Skorpionstachel zu handeln stellte offenbar kein größeres Problem dar, das Leder der Orken aus der Wüste hingegen zu handeln, auch wenn es für etwas vergleichbar Seltenes war wie Amin es beschrieben hatte, war Ilaydas Ansicht die möglichen Probleme die entstehen konnten, wenn Delara davon erfuhr, nicht wert. Sie hatte wenig Interesse an Fellkleidern oder Umhängen aus dem Norden. Dort wo sie sich aufhielt, war es eigentlich immer recht angenehm, in Dengra bisweilen etwas frisch, jedoch nie so kalt, das sie ein Fell brauchen würde. Sie wusste nicht, dass sie in nicht all zu ferner Zukunft auch in Gegenden verkehren würde, die kälter waren.
Einiges von dem, was sie an diesem Abend hörte, war neu für sie. Von Alchemiewaren aus dem Kaiserreich sollte sie sich besser fern halten, wenn sie nicht wusste woher genau sie stammen. Was sie im Augenblick benötigte konnte sie sicherlich bei Amin erstehen oder tauschen und ansonsten wusste sie, dass sie sich auch an die Nordländerin wenden konnte.
Mancher Verdacht, den sie nach diesem Abend hegte, sollte sich bestätigen, wie sie am frühen Abend des nächsten Tages bemerkte, als sie mit einem Krug Tee in der Hand nahe des Luftelementaristen saß.
Es wäre sicherlich hilfreich sich nicht nur auf Hörensagen zu verlassen, doch eine andere Möglichkeit sah sie zu dieser Zeit nicht.
Lautlos flog der Teppich über die Dächer des Sumpfdorfes. Von oben konnte sie die Fackeln der Männer und Frauen sehen, die angeheuert worden waren dem Dorf als Wachen zu dienen. Das bedeutete vermutlich, dass ihre Loyalität demjenigen gehörte, der ihnen die meisten Münzen bieten konnte oder den sie mehr fürchteten.
Eigentlich hatte sie nur vor die Knochen zu holen und anschließend zu sehen ob Leon anzutreffen war, doch es sollte anders kommen. Sie hatte gerade die Knochen wieder verstaut, als der Ritter vom dunklen Arm sich hinter ihr bemerkbar machte. Er hatte davon gesprochen, das er ihr seine Regeln nennen wollte, doch das erste waren vielmehr Maßregelungen. Sie sollte immer die beiden Säbel bei sich tragen wenn sie das Juwel verließ, ebenso wie eine Rüstung. Das Ilayda nur einen der beiden Säbel bei sich trug hatte jedoch auch noch einen anderen Grund, wie Johann wenig später selbst feststellen konnte.
Wie bei den meisten Menschen, war auch die junge Frau daran gewöhnt einen Arm bevorzugt zu verwenden. Es war anstrengend, doch mit dem rechten Arm konnte sie den Säbel auch einige längere Zeit anheben, während ihr linker Arm schnell ermüdete. Ein Manko, welches wohl noch einige Zeit bestehen bleiben würde, auch wenn Johann bei den ersten Übungen bereits darauf achtete, dass sie ihren linken Arm vermehrt verwenden sollte.
Der Gedanken längere Zeit in der Kaiserstadt zu verweilen gefiel ihr nur bedingt, doch Johann hatte als Angehöriger des Adels Verpflichtungen dort. Mit jemandem an seiner Seite wäre es halb so kompliziert. Ilayda fühlte sich ein wenig in den Keller vor Tharns Tisch zurückversetzt, denn in etwa so fasste sie ihre Rolle als Johanns Begleitung dorthin auf. Auch sollte sie wohl in nicht all zu ferner Zukunft mit der Kammerdienerin des Ritters sprechen, wie sie sich am besten verhielt, denn zwangsläufig würde jedes Fehlverhalten von ihr immer auch Konsequenzen nach sich ziehen.
Über was auch immer sie während der Ausbildung zu tun bekam oder erfuhr hatte sie zu schweigen. Lediglich eine Grenze hatte Ilayda für sich selbst gezogen. Johann hatte zwar gesagt, dass die Aufgaben sie kaum in Gefahr bringen würden, doch gleich wie leicht die Aufgabe auch war, Ilayda würde sich weigern etwas zu tun, was sich gegen den Süden richtete oder gegen die ihr bekannten Traditionen verstieß.
Als Ilayda Dengra verließ spürte sie von dem angekündigten Muskelkater noch nichts, doch am nächsten Morgen zeigte ihr Körper ihr deutlich, das sie noch viel zu tun hatte. Das Hohlkreuz bei den Liegestütz bemerkte sie zwar, mehr als zwei Liegestütz schaffte sie jedoch nicht ohne unsauber zu werden. Trotzdem erledigte sie die Wiederholungen nach dem Aufstehen, zur Mittagszeit und am Abend vor dem zu Bett gehen.
Der Versuch eines Klimmzugs hingegen scheiterte kläglich. Sie hatte lange nach einem Ast gesucht, den sie greifen und an dem sie sich hochziehen konnte, doch mehr als daran zu hängen vermochte sie nicht. Sich durch ihre eigene Körperkraft hinauf zu ziehen war im Augenblick aussichtslos, weshalb sie sich dazu entschloss der Übung mit dem Berdisch den Vorzug zu geben.
Auch wenn Johann gesagt hatte sie solle nicht übertreiben und sie nie mehr als die zehn Wiederholungen machte, schmerzten ihre Oberarme und Brustmuskulatur am zweiten Abend. Der Muskelkater war gekommen und blieb ihr wohl auch noch für eine lange Zeit erhalten.
Zumindest für die kommende Zeit würde sie sich damit abfinden müssen, das sie nicht mehr als ein Spielstein war. Eine Figur die jeder den sie kannte in die eine oder andere Richtung bewegen konnte und wenn sie Glück hatte, würde dieses Spiel nicht zu schnell langweilig für die Spielenden, denn bislang hatte es ihr mehr geholfen als geschadet.
 
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